Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

27. November 2014, 17:00 Uhr

0943

Anton Romako

(Atzgersdorf bei Wien 1832 - 1889 Wien)

„Mädchen mit Tauben im Korb“
zw. 1873-1876
Öl auf Leinwand
115 × 79,5 cm
Signiert rechts unten: A. Romako

Provenienz

36. Auktion im Kunsthaus am Museum, Köln, 23.-26. Oktober 1968, Nr. 1707; Dorotheum Wien, 9.-12. Juni 1970, Nr. 99, Taf. VII; Privatbesitz, Österreich

Ausstellung

"Anton Romako 1832-1889. Ein Maler der Ringstraßenzeit", Belvedere Wien 1992, Nr. 21 (Farbtaf.)

Literatur

Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Alte und moderne Kunst, Heft 107, 1969, Abb. S. 59; Gerbert Frodl, Anton Romako 1832-1889. Ein Maler der Ringstraßenzeit, Belvedere Wien 1992, Nr. 21 (Abb.); Cornelia Reiter, Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monografie mit Werkverzeichnis, Belvedere Wien 2010, S. 196, WV-Nr. 348 (Abb.)

€ 35.000

Romako war einer jener österreichischen Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der durch seine Kunst das Publikum stark polarisierte. Seine Ausbildung erhielt er an der Wiener und Münchner Akademie. 1850 kehrte er zurück in seine Heimatstadt Wien und studierte bis 1853 an der Privatschule von Carl Rahl, wo er sich auf Historienmalerei spezialisierte. Im Streit trennte er sich von seinem Lehrer und verbrachte längere Zeit im Atelier von Carl Werner in Venedig. 1857 schließlich reiste er nach Rom, dort verbrachte er fast zwei Jahrzehnte. Diese Zeit war wohl die erfolgreichste und schönste in seinem Leben, sowohl privat als auch künstlerisch. Er gründete eine Familie und konnte sich als Künstler etablieren. Vor allem seine Genreszenen über das bäuerliche Milieu der römischen Campagna begeisterten sein internationales Publikum. Mit diesen Bildern feierte er Erfolge und sie brachten ihm finanzielle Sicherheit. 1876 erlebte der Künstler eine schmerzhafte Zäsur in seinem Leben. Seine Frau verließ ihn und er kehrte mit drei seiner insgesamt fünf Kinder zurück nach Wien. In dieser Phase änderten sich seine Bildthemen und er widmete sich Gesellschaftsbildern, die durch ihre psychologische Tiefe und technische Perfektion bestechen. Trotzdem fand er in Wien nicht jene Anerkennung wie in Rom und sein exzentrischer Malstil wurde nicht verstanden. Einen Misserfolg nach dem anderen musste der sensible Künstler in Wien verarbeiten. Finanziell ruiniert mit der Sorge um seine Familie wurde er zum ruhelos Reisenden, der sein Glück in Ungarn, Genf und Paris aber auch immer wieder in Rom, wo seine beiden jüngsten Töchter lebten, suchte. Als diese 1887 den Freitod wählten, war dies wohl einer der größten Schicksalsschläge für Romako, den er selbst nur zwei Jahre überleben sollte. 1889 starb der Künstler in Wien, einsam und von der Kunstwelt unverstanden.

Unser Gemälde ist in seiner römischen Zeit, zwischen 1873 und 1876 entstanden. Es zeigt eine junge Frau mit einem Taubenpärchen in ihrem Korb, monumental im Dreiviertelporträt, gehüllt in einen Schal, der vor Kälte schützen soll. Reizvoll hebt sich ihre Gestalt vom dunklen Hintergrund ab, und zeigt Romakos Gespür für raffinierte Kontraste. Verträumt blickt die dunkle Schönheit in die Ferne und ansatzweise ist auch hier schon das Psychologisierende seiner Spätwerke zu erkennen, denn die fröhliche Leichtigkeit mit der Romako die italienische Landbevölkerung mir Vorliebe darstellte, haben einer Melancholie Platz gemacht, die zugleich die Ungewissheit und Zerbrechlichkeit des Lebens zeigt. (MS)