Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. November 2014, 15:00 Uhr

0062

Norbertine Bresslern-Roth*

(Graz 1891 - 1978 Graz)

„Wölfe im Winter“
um 1950
Öl auf Leinwand
81 × 67 cm
Signiert rechts unten: B. Roth
Originalrahmen

Provenienz

in den frühen 1950er Jahren direkt von der Künstlerin erworben; seither Privatbesitz, Graz

Das Bild wird von Frau Dr. Christa Steinle, Universalmuseum Joanneum Graz, in das in Vorbereitung stehende Werkverzeichnis aufgenommen.

€ 70.000

Norbertine Bresslern-Roth zählt zu den bedeutendsten österreichischen Tiermalerinnen und zu den am häufigsten ausgezeichneten inländischen Künstlerinnen. Vor der erstmaligen Zulassung von Frauen an der Wiener Kunstakademie 1921, darf sie mit einer Sondererlaubnis bereits 1912 die Klasse von Ferdinand Schmutzer besuchen. Ab 1921 lebt sie mit ihrem Mann in Graz. Wundervoll komponierte Darstellungen aus der Tierwelt machen sie weit über die Grenzen Österreichs bekannt. Ihre bevorzugte Technik in dieser Zeit ist der Linolschnitt. Die kraftintensive Druckerpresse bedient ihr Mann. Nach seinem Tod 1952 wendet sich Bresslern-Roth verstärkt der Ölmalerei zu. Sie entwickelt eine ganz eigene Technik, die durch eine kreidig-matte Oberfläche charakterisiert wird. Diesen Effekt erreicht sie, indem sie auf hell grundierter Jute malt. Dieser Bildträger an sich hat schon eine viel grobere und körnigere Textur als Leinwand und ergibt in Kombination mit dem teilweisen Freilassen des Malgrunds eine ganz spezielle Wirkung, alles erscheint wie durch einen „Weichzeichner“.

Ihre Motive findet die Künstlerin auf Reisen zu den verschiedensten Tiergärten Europas. Dort studiert sie die Verhaltensweisen und Eigenarten der einzelnen Spezies und fertigt zahlreiche Studien an. Diese zieht sie als Inspirationen für die Ölbilder heran, die dann im Grazer Atelier entstehen. Dabei setzt sie die Tiere wieder in die freie Wildbahn, in ihr natürliches Lebensumfeld. Beliebte Themen sind Tiermütter und ihre Kinder, aber auch die Darstellung der einzelnen Spezies in ihrem angestammten Element, der Erde, der Luft oder dem Wasser. Und immer wieder fasziniert ist Bresslern-Roth auch von um ihren Platz in der Hierarchie kämpfenden Tieren oder jenen, die sich auf der Jagd befinden. Aufmerksame Jäger sind auch die Wölfe, die uns hier in einem Rudel entgegenkommen. Es ist Winter und die Raubtiere stapfen dicht zusammengedrängt an kahlen Baumstämmen vorbei durch den Schnee. Eines der Tiere heult, um seine Zugehörigkeit zum Rudel auszudrücken und die Bereitschaft zur Jagd. Es ist eine nächtliche Szene, die die Künstlerin hier auf die Leinwand gebannt hat. Ein Blauton überzieht die gesamte Bildoberfläche und taucht die Szenerie in ein gespenstisches Licht. Die Augen der Wölfe leuchten, der Rudelsführer und die ihm nachfolgenden Tiere blicken angespannt nach vorne. Durch die Darstellung in extremer Nahsicht und die Ausschnitthaftigkeit intensiviert die Künstlerin noch das Gefühl, dass die nächtlichen Jäger hier tatsächlich auf einen zumarschieren. Durch diesen Kunstgriff erzielt Norbertine Bresslern-Roth eine besonders intensive Bildwirkung, die einen augenblicklich gefangen nimmt. (Sophie Cieslar)