Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. November 2014, 15:00 Uhr

0057

Gerhild Diesner*

(1915, Innsbruck - 1995, Innsbruck)

„Toskana“
um 1970-75
Öl auf Leinwand
57 × 76 cm
Signiert links unten: Diesner

Provenienz

im Kinsky, Auktion am 17. 06. 2008, lot 301; europäische Privatsammlung

€ 25.000

Diesners künstlerisches Schaffen zeichnet sich durch eine eigenwillige Rezeption der französischen Moderne aus. Innerhalb der österreichischen Kunst steht ihr Œuvre als Bindeglied zwischen der expressiven Tradition und der abstrakten Avantgarde.
Gerhild Diesner wurde am 4. August 1915 in Innsbruck geboren. Sie besuchte zunächst die Fachschule für Damenkleidung und begann ihren künstlerischen Werdegang erst mit zwanzig Jahren. 1935 bis 1937 lebte sie in England, besuchte dort zuerst die Chelsea Art School und dann die School of Art in Brighton. 1937 zog sie nach München, um an der Akademie für angewandte Kunst, in der Abteilung Gebrauchsgraphik zu studieren. In den Münchner Museen fand ihre erste intensive Auseinandersetzung mit der französischen Kunst statt.
Trotz der unruhigen Kriegszeiten gelang es ihr 1943, ein Studium in Paris an der Académie André Lhote und an der École de la Grande Chaumière bewilligt zu bekommen. Die französische Moderne wurde für ihre Kunst zur wesentlichen Inspirationsquelle. Auch wenn eine Affinität zum Fauvismus von Henri Matisse und zu anderen großen Vorbildern wie Vincent van Gogh oder Paul Gauguin in ihren Werken deutlich erkennbar bleibt, kristallisierte sich bald ihre eigenständige Handschrift heraus.
In den Jahren nach dem Krieg erfuhr Diesners Schaffen ihren künstlerischen Höhepunkt. Sie konnte ihre Position innerhalb des Tiroler Kunstbetriebs festigen und ihre Werke auch auf Ausstellungen in Wien, etwa im "Art Club", präsentieren. Sensationell war die Beteiligung an der Biennale für Frauen in Bozen, wo ihre Bilder neben jenen von Sonja Delaunay gezeigt wurden. Nach ihrer Scheidung von Bodo Kampmann 1953 zog sie sich gesellschaftlich zurück und ihre Ausstellungsbeteiligungen wurden geringer.

Die späteren Schaffensjahre der Künstlerin waren geprägt von ihrer Reiselust und ihrer Liebe zur mediterranen Kultur. Bilder wie die hier präsentierte Landschaft in der Toskana wurden von ihren Aufenthalten im Süden inspiriert und sind von ganz besonderem Reiz. „Am Gardasee habe ich viel gemalt, Wäscherinnen am See, Weingärten mit Zypressen, Fischerboote. Capri und die Toskana habe ich ebenso sehr ins Herz geschlossen. Von der Natur kann ich nie genug bekommen“, meinte die Künstlerin selbst. Einprägsam spiegelt das vorliegende Gemälde die Vorliebe der Malerin für leuchtende Farben und raffinierte Komplementärkontraste wider. Die dargestellten Landschaftsformen werden auf das Wesentliche reduziert und in dekorativer Flächigkeit in das Bild gesetzt. Diesners mediterrane Landschaften sind bildgewordene Poesie und bleiben in ihrer lyrischen Suggestivkraft unverwechselbar. (CMG)