Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. November 2014, 15:00 Uhr

0060

Albert Paris Gütersloh*

(Wien 1887 - 1973 Wien)

„Porträt Hans Boehler“
1926
Öl auf Leinwand
140,5 × 120 cm
Monogrammiert rechts oben: APG
Rückseitig am Keilrahmen bezeichnet: "Gütersloh Porträt Hans Boehler" sowie "A. P. Gütersloh, Besitzer Hans Boehler, Wien I., Elisabethstr. 12"

Provenienz

Nachlass Hans Boehler, U.S.A.; Friederike Beer-Monti, U.S.A.; Privatbesitz, U.S.A.

Literatur

Arthur Roessler, Der Maler Hans Böhler, Wien 1929, Frontispiz; Renate Uschan-Boyer, Albert Paris Gütersloh. Beispiele, Wien 1977, Nr. 1926/2; Otto Breicha, Hans Böhler. Gemälde und Graphik, Salzburg 1981, S. 5 (o. Abb.)

Schätzpreis: € 35.000 - 70.000
Ergebnis: € 40.000
Auktion ist beendet.

1918 fand in Wien die 49. Austellung der Secession statt, für die Egon Schiele das Plakat "Die Tafelrunde" mit Porträts verschiedener Künstlerkollegen konzipiert und den jüngeren Maler Albert Paris Gütersloh zum Mitorganisator bestimmt hatte. Kurz danach wurde aus dieser "Tafelrunde" die "Neue Secession Wien" gegründet, die aber nach einer einzigen Ausstellung und mit dem Tod Egon Schieles wieder endete. Zu den Mitgliedern zählten u.a. Felix Albrecht Harta, Broncia Koller und Hans Böhler, die Gütersloh alle in Porträts verewigte - sozusagen als bleibendes Dokument einer sich bald zerstreuenden Gruppe.

Albert Paris Gütersloh, der seine Karriere als Schauspieler begonnen hatte und erst um 1916 seinen Künstlernamen erfand, posierte seinen Freund Hans Böhler bezeichnenderweise in einer römischen Toga und mit entblößtem Oberkörper. Böhler stammte im Gegensatz zu seinen Künstlerkollegen aus wohlsituiertem Haus und hatte die Kriegsjahre als Weltreisender verbracht. Die Rolle eines römischen Konsuls erschien also passend, sie ermöglichte außerdem, das Thema Porträt mit feinem Humor und inhaltlicher Vieldeutigkeit zu unterlegen. Ausgezeichnet ist die malerische Umsetzung, bei der sich Gütersloh schon als ausgereifter Künstler erweist, der aus der Schule der Secession wie auch des malerischen Expressionismus kommend seine unverwechselbare Handschrift aus graphischer Präzision und kraftvoller Farbe gefunden hat. Und auch dieses Porträt gewinnt seinen suggestiven Ausdruck durch die kristalline Schärfe der Linie verbunden mit einem raffinierten Wechselspiel komplementärer Farben. (MHH)