Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. November 2014, 15:00 Uhr

0016

Oskar Mulley*

(Klagenfurt 1891 - 1949 Garmisch)

„Gebirgslandschaft im Vorfrühling“
1920
Öl auf Leinwand
100 × 138 cm
Signiert links unten: Mulley.

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

€ 25.000 - 50.000

1919 lässt sich Oskar Mulley mit seiner jungen Frau Luise in Kufstein nieder. Zunächst fällt es dem gebürtigen Kärntner schwer, in der rauen Tiroler Bergwelt Fuß zu fassen, doch bald erkennt er den Reiz des Gebirges und der kargen Architektur der Bergbauernhöfe und Kapellen als Motiv für seine Malerei. Eine Ausstellung im Kunstsalon Unterberger in Innsbruck bringt den Durchbruch. Dort werden die Bilder der im Auftrag Unterbergers angefertigten „Tiroler Mappe“ gezeigt und durchwegs positiv aufgenommen. Auch der Kontakt zu Tiroler Künstlerkollegen, vor allem dem Kreis um die Tiroler Künstlervereinigung Heimat“, intensiviert sich.

In der Zeit um 1920 setzt sich Oskar Mulley noch intensiv mit seinen Wurzeln im Jugendstil und dem Symbolismus auseinander. Es finden sich in seinem Werk Hinweise auf eine Auseinandersetzung mit dem japanischen Farbholzschnitt ebenso, wie Anklänge an die secessionistische Formensprache, bevor er diese zugunsten eines pastosen, monumentalen Malstils aufgeben wird.

In vorliegendem Bild trennt eine Wand aus dunklen, fast schwarzen Tannenbäumen die satten Almwiesen von der zartblauen Bergwelt in der Ferne. Der Vordergrund liegt im Schatten, leuchtet aber durch die Schneereste auf dem moosigen Grund dennoch intensiv. Fern am Horizont, den Mulley bewusst fast ganz an den oberen Bildrand setzt, strahlen einzelne Berggipfel im letzten Sonnenlicht. Das Auge des Betrachters wandert vom satten Grün des Mooses, das im leuchtenden Kontrast zum Weiß des Schnees steht, über den dichten, unergründlichen Wald bis in die weite Ferne und verliert sich dort im sanften Blaugrau der imposanten Bergwelt. Ein eindeutiger Bildmittelpunkt fehlt, ein Stilgriff, der schon im japanischen Farbholzschnitt Anwendung fand. Man erahnt die Weite, die steilen Hänge und Schluchten, obwohl uns der Künstler den Blick durch die Staffelung der Bildebenen darauf verwehrt. Oskar Mulley spielt gekonnt mit den Gegensätzen Nähe und Ferne, Enge und Weite. Es ist eine geheimnisvolle, mystische Landschaft, die er uns hier präsentiert, meisterhaft in Malerei und Komposition. (Sophie Cieslar)