Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. November 2014, 15:00 Uhr

0120

Rudolf Wacker

(Bregenz 1893 - 1939 Bregenz)

„Gerberschanz“
1929
Öl auf Pappe
65 × 50 cm
Signiert, datiert und betitelt rückseitig: R. Wacker / Lindau, II. VI. 29 / "Gerberschanz"
Monogrammiert und datiert links unten: RW / VI. 29

Provenienz

direkt vom Künstler erworben; Privatbesitz, Deutschland

Literatur

Max Haller, Rudolf Wacker 1893 - 1939, Biografie mit dem Oeuvre-Katalog des malerischen Werkes, Lustenau 1971, WV-Nr. 140 (o. Abb.)

€ 15.000

Städtebilder nehmen einen wichtigen Platz im künstlerischen Schaffen Rudolf Wackers ein. Die pittoresken Altstädte seiner näheren Umgebung, Bregenz, Lindau und Goslar, mit ihren Fachwerkhäusern, ihren Türmen und spitzen Giebeln boten ihm einen reichen Motivfundus. Die alten Häuser der Gerberschanz in Lindau am Bodensee hat Rudolf Wacker schon 1928, in einem Gemälde, das sich heute in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden befindet, als Bildsujet für sich entdeckt.
Wacker malte nicht das pulsierende Leben des urbanen Alltags wie so viele andere Künstler der Moderne, das bewegte Menschengewirr der Stadt spielte für ihn als Bildthema ebensowenig eine Rolle wie der Verkehr oder andere Zeichen der modernen Technik. Er suchte vielmehr unspektakuläre, eher unansehnliche Motive und malte trostlos wirkende, menschenleere Hinterhöfe. Seine Städtebilder mit abbröckelnden Hausfassaden voller Risse und Sprünge spiegeln den künstlerischen Bruch mit einer längst vergangenen Idylle wider: "…Unsere Zeit ist wahrlich nicht idyllisch. - Wenn Idyllisches dargestellt wird, kann es nicht ohne kritschen Abstand geschehen, wir selbst können nicht mehr in der Idylle sein. Wir stellen sie noch fest, in irgendeinem Winkel, als Rest, als Vergehendes, Vergangenes, - mit einer Spur von Traurigkeit im Herzen, mit etwas Spott im Kopfe, mit Sinnen die darüber weg in die Ferne denken." (Rudolf Wacker, Tagebuchnotiz, 8. 4. 1932)
Das Interesse für vernachlässigte Stadtteile und vom Zerfall bedrohte Orte teilt Rudolf Wacker in den späten zwanziger und dreißiger Jahren mit seinen Malerkollegen der Neuen Sachlichkeit. (CMG)