Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

27. November 2014, 15:00 Uhr

0816

Johann Gottfried Auerbach

(Mühlhausen 1697 - 1753 Wien)

„Pendants - Kaiser Karl VI. (1685-1740) & Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (1691-1750)“
um 1730
Öl auf Leinwand
262 × 188 cm
Rückseitig je ein altes Etikett mit Inventarnummer: „Gen. Katal. No 9498“ und „Gen. Katal. No 9499“

Provenienz

Provenienz (basierend auf den überlieferten Angaben des Einbringers): Besitz der Familie Anhalt-Bernburg (möglicherweise Schloss Bernburg oder Ballenstedt/ Sachsen-Anhalt); wohl über Wilhelmine Luise Prinzessin von Anhalt-Bernburg (1799-1882), Ehefrau von Friedrich Prinz von Preußen (1794–1863) und Mutter von Friedrich Wilhelm Georg Ernst Prinz von Preußen (1826-1902), in Hohenzollernbesitz gelangt; 1902 Vermächtnis von Prinz Georg von Preußen; 1904-1926 Stadtschloss (Berlin, wohl Inventarnummer Rückseite); 1926 an die Hohenzollern retourniert; in den 1990er Jahren vom Vater des derzeitigen Besitzers erworben

Schätzpreis: € 30.000 - 60.000
Ergebnis: € 40.000
Auktion ist beendet.

Diese beiden monumentalen Porträts sind herausragende Zeugnisse des höfischen Porträts in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie zeigen Kaiser Karl VI. und seine Ehefrau Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Elisabeth Christine wurde bereits mit 13 Jahren mit ihrem zukünftigen Ehemann verlobt. Die Vereinbarung kam über Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg (1673-1742), Gattin Kaiser Josephs I. (1678-1711) und Schwägerin des späteren Kaiser Karl VI., zustande. Nachdem Elisabeth Christine vom protestantischen Glauben zum Katholizismus konvertiert hatte, fand die Hochzeit mit dem jungen Habsburger 1708 in Barcelona statt, wo ihr Bräutigam als Gegenkönig Karl III. von Spanien herrschte.
Nach dem Tode Kaiser Josephs I. im Jahre 1711 wurde schließlich sein nach Wien zurück gekehrte jüngerer Bruder Karl zum Kaiser gewählt. Zu den Regierungsverdiensten Karls VI. zählt vor allem der Erlass der sogenannten 'Pragmatischen Sanktion' von 1713. Diese sah nicht nur die Unteilbarkeit der habsburgischen Länder vor, sondern auch die sekundäre weibliche Erbfolge. Da Karls VI. einziger männlicher Nachkomme Leopold 1716 als Kleinkind verstarb, trat dieser Fall schon nach seinem Tod ein. Maria Theresia (1717-1780), Tochter Karls VI. und seiner Gattin Elisabeth Christine, folgte als erster weiblicher Nachkomme ihrem Vater auf den Kaiserthron.

Johann Gottfried Auerbach gilt als der führende Porträtmaler in der Regierungszeit Karls VI. Neben dem Kaiser selbst porträtierte er auch Prinz Eugen von Savoyen (Heeresgeschichtliches Museum, Wien). Der in Mühlhausen/Thüringen geborene Maler erhielt mit dem "Porträt des Abtes Anton Admont" im Jahre 1725 seinen ersten Auftrag in Wien. Bereits 1728 war Auerbach jedoch offensichtlich schon so angesehen, dass er in Francesco Solimenas berühmtem Werk mit der Übergabe des Inventars der kaiserlichen Kunstsammlungen durch Hofbaudirektor Gundaker Graf Althann an den Kaiser die Köpfe der beiden Hauptprotagonisten ausführen durfte (Kunsthistorisches Museum, Wien). Auerbach wurde 1735 von Kaiser Karl VI. zum Kaiserlichen Hofmaler ernannt, 1741 zum Kammermaler.
Es sind heute vor allem die vorzüglichen ganzfigurigen Porträts Kaiser Karls VI., die Johann Gottfried Auerbach beziehungsweise seinem direkten Einfluss zugeordnet werden, beispielsweise im Kunsthistorischen Museum, der Österreichischen Galerie Belvedere oder im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien.