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Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2014, 15:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0489

Max Weiler*

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Schöne Erhebung“
1989
Eitempera auf Leinwand
55 × 50 cm
Signiert und datiert rechts unten: Weiler 89

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Ausstellung

1989 Wien, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig 20er Haus. Max Weiler: Die Innere Figur (Einzelausstellung)

Literatur

Otto Breicha, Weiler. Die innere Figur, 171 Bildwerke seit 1933, Salzburg 1989, Abb. S. 412/413.
Ausstellungskatalog: "Kunst wie Natur", Bilder von 1973-1990. Text von Otto Breicha. Slovakische Nationalgalerie, Bratislava 1990, und Oberösterreichisches Landesmuseum Linz 1990/91, Abb. S.132.
Gottfried Boehm, Weiler. Pozdnì dìlo, das Spätwerk 1973-1991, Národní Galerie v Praze, Valdtejnská Jízdárna, Prager Nationalgalerie, Waldstein-Reitschule, Prag 1991, Abb. S. 162 sowie Coverbild;
Yvonne J. Weiler (Hg.) in Zusammenarbeit mit der Bawag Fondation, Max Weiler. Bilder von 1985-1991, Wien 1991 Abb. S. 70/71.

€ 50.000 - 100.000

Schöne Erhebung ist ein Spätwerk, wenn man das Jahr 1981, als Weiler nach 17 Jahren die Professur an der Akademie der bildenden Künste in Wien niederlegte, als wichtige Markierung verstehen möchte. Schon bis dahin waren gegen 1000 Leinwände, etwa 2500 Papierarbeiten und 40 Werke im öffentlichen Raum entstanden. Aber des Künstlers Schaffenskraft war ungebrochen und in den noch folgenden zwei Jahrzehnten bis zum Ende „seines“ Jahrhunderts (er stirbt 2001) sollte es zu einer nochmaliger Bündelung aller Energien kommen. Nach einem Künstlerleben das vom schwerem und unablässigen Ringen um eine Einheit von Spiritualität, Natur und Kunst beherrscht war, triumphieren endgültig die positiven Kräfte. Seiner künstlerischen Vision kam Weiler schon in den 60er Jahren erstmals mit dem Bilderzyklus "Wie eine Landschaft" sehr nahe, jetzt aber verfügte er endgültig über die Erfahrung, das Wissen und die Souveränität, Konzentration mit Leichtigkeit zu vereinen. Seine Malerei kulminiert in einer Apotheose von Reichtum und Pracht der Natur.

Die topographische Titel Schöne Erhebung verweist nicht auf ein motivische Vorgabe oder gar (Natur-)Vorlage für diese abstrakte Komposition, die einzig und allein aus den inneren Gesetzmäßigkeiten und Prozessen der Malerei selbst entstanden ist. Das gilt übrigens für alle Titelgebungen von Max Weilers Spätwerk. Sie sind Erfindungen, besser vielleicht Findungen des Künstlers. Die „Erhebung“ ist vor allem die Erhebung einer Form auf dem Bildgrund. So bleibt interpretativ auch völlig offen, ob es sich hier um gewittrige Wolkenfetzen auf einem sonnendurchglühten Himmel, um Lava und Feuerströme oder um die mikroskopische Aufnahme dramatischer Vorgänge in einer Nährlösung handelt. Die von der unteren Bildkante in das Format ragende, „sich erhebende“ dunkelblaue, rot auslaufende Form auf gelborangem Grund eröffnet — Weilers universell kosmologischem Weltverständnis entsprechend — einen nahezu unbegrenzten Assoziationsraum, den auch der Künstler selbst zu nützen weiß. Seine Titel sind aber nur als allgemeine Aufforderungen zu verstehen, schauend und suchend in seine malerischen Räume einzutauchen. Präzisierungen wie Baum, Blume, Berg, etc. geben dabei nur die große Richtung an: es ist hier nämlich immer und ausdrücklich Naturhaftes gemeint. In Bildbezeichnungen wie Landschaft als Blume (1988), besser noch Farblandschaft“ (1988) kommt dieses spezielle symbiotische Verhältnis von Malerei und Natur im Werk des Künstlers seit Anfang der 60-er Jahre am klarsten zum Ausdruck. Setzt er doch das Wirken der Farben und Bindemittel im Vorgang des Malens mit dem Wirken der Elemente und Kräfte der Natur in engste Beziehung: „Ganz ähnliche Kräfte haben die Welt gestaltet, darum ergeben sich ununterbrochen Parallelen, Ähnlichkeiten, Gleiches, Kunst, Elektrizität“ (Aus Max Weilers Aufzeichnungen in seinen Tag- und Nachtheften). Das sich so äußernde Selbstverständnis des Künstlers ist das eines Mediums und nicht das eines autokratischen Genies. Es beruht auf der Verinnerlichung des spirituellen Wesens der Natur und des Bewusstseins selbst Teil eines übergeordneten großen Ganzen zu sein. (Prof. Edelbert Köb)