Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

07. Oktober 2014, 16:00 Uhr

0115

Rudolf Hausner*

(1914, Wien - 1995, Wien)

„Erschrockener Europäer - Adam schau hin! Siehst du denn nicht, es brennt bereits am Horizont!“
1980
Acryl, Harzöllasuren auf Novopanplatte mit Papier beklebt
85 × 85 cm
Signiert und datiert rechts oben: R. Hausner 80

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Literatur

Walter Schurian (Hg.), Hausner. Neue Bilder 1982-1994, Abb. S. 270, Wkvz-Nr. 102

€ 70.000

Rudolf Hausner, österreichischer Surrealist der ersten Stunde, erschafft 1957 nach seinem Ebenbild den Adam, sein Alter Ego, das aber auch als Identifikationsfigur für jedermann dienen soll.

„Deshalb schuf er nach seinem Ebenbild die Kunstfigur des Adam, weil er niemanden besser kennt und zu vermitteln vermag, als sein eigenes Ich. Mit diesem Leitmotiv hat Hausner eine Gestalt des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt: den neugierigen, aufgeklärten, rastlosen, aber auch skeptischen Zeitgenossen, der den Dingen auf den Grund gehen will. Indem wir uns mit ihm identifizieren, weist sein Werk über das Individuelle hinaus. Hausner ist das kollektive Selbstporträt des modernen Menschen gelungen.“ (Walter Schurian (Hg.), Hausner, Neue Bilder 1982 – 1994, Offenbach am Main 1994)

In den 1970er Jahren beginnt Hausner seine „Adambilder“ mit politischen Inhalten aufzuladen. Auch „Erschrockener Europäer – Adam schau hin! Siehst du denn nicht, es brennt bereits am Horizont!“ kann dieser Gruppe zugerechnet werden. 1980, das Entstehungsjahr des Bildes, markiert den Höhepunkt des „Kalten Krieges“ zwischen Westen und Osten. Die ständige Aufrüstung beider Machtblöcke, auch mit nuklearen Waffen, führt zu einer latenten Kriegsbedrohung, die als bedrückend empfunden wird. Es ist eine Situation entstanden, in der eine Kleinigkeit, einen vernichtenden Weltkrieg auszulösen vermag. So bringt im Juni 1980 ein defekter amerikanischer Computerchip die Welt an den Rand eines atomaren Zerstörungskrieges. Russland scheint Waffen auf Amerika abgeschossen zu haben, die USA bereiten sich auf den Gegenschlag vor. Gerade noch rechtzeitig wird der Irrtum entdeckt.

Im Bild Rudolf Hausners ist der Worst Case bereits eingetreten. Am Horizont sieht man die Pilzwolke einer Atomwaffenexplosion aufsteigen. Der Himmel ist blutrot gefärbt, Farbe der Apokalypse und Verweis auf die Millionen Toten, die ein solcher Krieg verursacht, der keine Gewinner haben kann. Darüber in akkurater Schrift der Titel des Bildes, der Adam – hier Stellvertreter Europas - auffordert, sich der Situation zu stellen. Dieser weiß, was sich hinter ihm abspielt, mit schreckgeweiteten Augen hat er sich dem Betrachter zugewandt. Der nahende Untergang der Zivilisation hat ihm die Sprache geraubt, nicht einmal vor Furcht schreien kann er, davonlaufen ist sinnlos. Selbst über die blauen Weiten des Wassers hinter der Figur, werden sich die tödlichen Strahlen ausbreiten und Verderben bringen. Das Bild kann als Anklage verstanden werden, als wachrüttelndes Manifest und als Aufforderung, sich gegen diesen Rüstungswahnsinn zu wehren. (Sophie Cieslar)