Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

07. Oktober 2014, 16:00 Uhr

0209

Markus Prachensky*

(Innsbruck 1932 - 2011 Wien)

„rot auf weiss - Berlin II A“
1966
Öl auf Leinwand
150,5 × 100,5 cm
Signiert und datiert rechts unten: Prachensky 66
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Markus Prachensky 1966 "rot auf weiss - Berlin II A-1966"

Literatur

Markus Prachensky, Werke 1953-1993, Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Ausstellungskatalog Dezember 1993 - Jänner 1994, ganzseitig Abb. o. S.

€ 40.000

Ab 1963 lebt und arbeitet Markus Prachensky abwechselnd in Stuttgart, Wien und Berlin. In Stuttgart entstehen die „Solitude - Bilder“ mit ihren charakteristischen Zacken und Farbblöcken(1964/65) als sein Ausdruck einer persönlichen Krise. Die Berlin-Bilder der Serien „Rot und rot“ und „Rot und blau“ (1963-1965) hingegen zeigen sich sinnlich tänzerisch in ihrer Bildsprache. 1966 entsteht in Berlin aber auch eine Serie von Arbeiten, wie die vorliegende, die nur mehr Spuren der Leichtigkeit und freudigen Bewegtheit der ersten Berlin-Bilder beinhaltet. Zarte Farbspritzer und dünnflüssig lasierte Farbflächen erinnern daran. Sonst jedoch bestimmen hier volle runde Formen den Bildaufbau, welche in einer präzisen geometrischen Genauigkeit ausgeführt sind. Mit dünnen Linien vorgezeichnet und dann in einem intensiven Rot gemalt - dominieren die verketteten Ovale mit Einschnitten die Bildmitte. Die Form stilisiert das weibliche Genital. In diesem Zusammenhang ist es noch eine Fortsetzung der Sinnlichkeit der vorangegangenen Berliner Arbeiten.
Den Sommer 1966 verbringt Prachensky bei Wolfgang Hollegha auf dem Rechberg nur umgeben von Wiesen und Wäldern. In seinen „Rechberg – Bildern“ verbindet Prachensky nun die ovale geschlitzte Form mit den gewölbten Hügelkuppen dieser Landschaft. Der Bezug zur Natur wird zum Anlass für die Gestaltung. Landschaft und erotische Form, diese beiden Themen verschmelzen zu einer neuen Einheit. Es sind gerade die Arbeiten aus dem Jahr 1966, die seinen weiteren künstlerischen Weg aufzeigen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt er zwei Positionen, nämlich sich selber und das andere - die Landschaft, zu einer Einheit zu bringen. War die Betitelung mit Ortsnamen bis dahin eine bloße zeitliche und geographische Zuordnung wird nun die Landschaftsbezeichnung zu einem Hinweis auf den künstlerischen Ausdruck, verdeutlicht in einem ganz persönlichen typographischen Raum. (Christa Armann)