Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

24. Juni 2014, 15:00 Uhr

0015

Gustav Klimt

(Wien 1862 - 1918 Wien)

„Baby im Steckkissen (Hand, die ein Baby hält, Oberschenkel der Frau)“
1917/18
Bleistift, blauer Farbstift, weiß gehöht auf Papier
56 × 37 cm
Signiert links unten: Gustav Klimt

Provenienz

Sammlung Viktor Fogarassy, Graz (Sammlungs-Stempel rückseitig); Privatbesitz, Österreich

Ausstellung

1962 Neue Galerie, Graz, Nr. 43 (Abb.); 1962 Albertina, Wien, Nr. 214; 1965 The Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Nr. 20; 1973 Galerie im Taxispalais, Innsbruck, Nr. 19 (Abb.); 1973 Kulturhaus, Graz, Nr. 19 (Abb.); 1978 Galerie Würthle, Wien, Klagenfurt, Graz, Salzburg, Nr. 50

Literatur

Fritz Novotny, Johannes Dobai, Gustav Klimt, Salzburg 1967, 2. Aufl. 1975, S. 374; Alexandra Comini, Eros und Ethos, Salzburg 1975, Tafel 72; Otto Breicha (Hg.), Gustav Klimt, Die goldene Pforte, Werk, Wesen, Wirkung. Bilder und Schriften zu Leben und Werk, 1978, Abb. 156; Alice Strobl, Gustav Klimt, Die Zeichnungen, 1912-1918, Bd. III, Salzburg 1982, WV-Nr. 3036, Abb. S. 225

€ 38.000

Bei der vorliegenden Zeichnung handelt es sich um eine Studie im Zusammenhang mit dem Gemälde "Die Braut" von 1917/18 sowie dem im selben Zeitraum entstandenen Gemälde "Baby" (vgl. Strobl, Bd. III, S. 224).

Am 10. August 1917 schreibt Klimt an Emilie Flöge „ … heut will ich mit dem Kinderbild anfangen…“ und bereits zwei Tage später berichtet er: „ …..das Kinderbild, halb fertig – heute soll’s damit Schluss sein – wann‘s wahr ist…“ (zitiert in: Klimt persönlich, Bilder-Briefe-Einblicke, Wien 2012, S. 399). Gemeint ist mit diesem Kinderbild das Ölbild „Baby“, welches sich heute in der National Gallery of Art in Washington, DC befindet. Auch in dem bereits 1916 begonnenen Gemälde „Die Braut“, einem der expressivsten Hauptwerke von Klimts später Schaffensperiode, findet sich eine ähnliche Darstellung, allerdings in einer Mutter/Kind Komposition. Beide Werke sind unvollendet geblieben. Es existieren nur wenige Skizzen zu diesem Thema.

Das genau gezeichnete und mit festem schwarzem Strich herausgearbeitete Gesicht des Babys ist durch die hochgezogenen Hände halb verdeckt, wodurch sich die ganze Aufmerksamkeit auf den für Babys typischen, ruhigen und unverwandten Blick richtet. Aus ihm spricht eine geistige Liebeskraft, ein absolutes Vertrauen in das Leben. Im Ölbild „Baby“ entscheidet sich Klimt für ein vollständig sichtbares Gesicht, trotzdem ist es genau dieser Blick des Babys, der sich dort wiederfindet. Der einzigartige und virtuos eingefangene Ausdruck ist das Kernthema dieser Zeichnung. Auch im Spitzenbesatz der Ärmel findet sich eine tiefschwarze Kontur mit ganz leichten blauen Akzenten. Kopf und Arme bilden somit in ihrer zeichnerischen Betonung eine Einheit, welche im Kontrast zum weichen mit weißem Stift malerisch überhöhten Gewand steht. Die Bewegungsstudie eines am Rücken liegenden Babys, rechts unten im Blatt, ist auf die Hauptzeichnung gerichtet, steht im Dialog mit ihr und vervollständigt damit die ausgewogene Komposition des Blattes. Die Abschattierungen, die Andeutung der Ornamentik und des Faltenwurfs durch kurze, schwungvolle Linien zeugen von der Lockerheit und der impressionistischen Freiheit von Klimts Spätstil. (Christa Armann)