Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0086

Robert Kohl

(Wien 1891 - 1943 KZ Auschwitz)

„Stillleben mit Früchten und Hut“
um 1935
Öl auf Leinwand
68 × 85 cm
Signaturstempel rückseitig: Robert Kohl

Provenienz

Viktor Fogarassy, Graz (Sammlungs-Stempel rückseitig); Dorotheum, Wien, Auktion am 25. 05. 2000, lot 116; ehemals Sammlung Leopold

Das vorliegende Stillleben wird von Berenice Schwaiger in das in Vorbereitung stehende Werkverzeichnis unter der WV-Nr. 9 aufgenommen.

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Auktion ist beendet.

Robert Kohl, 1891 in Wien geboren gehört zu jener österreichischen Künstlergeneration dessen Leben und Werk von den politischen Umständen seiner Zeit geprägt war. Er studierte 1912/1913 an der Prager Kunstakademie und arbeitete nach seinem Umzug nach Leipzig im Jahre 1913 vorerst als Grafiker. Nach dem Kriegsdienst und einem darauffolgenden Spitalsaufenthalt entstehen neben Illustrationsfolgen zu Shakespeare zahlreiche Aquarelle, Zeichnungen und lithographische Einzelblätter. Viele dieser Arbeiten werden heute in öffentlichen Sammlungen aufbewahrt, z.B. in der Sammlung Albertina, im Kupferstichkabinett der staatlichen Kunstsammlung Dresden, im Museum der bildenden Künste und im stadtgeschichtlichen Museum der Stadt Leipzig, in der graphischen Sammlung des Lindau Museums Altenburg, im Nationalmuseum Breslau und im British Museum in London. Anfang der 1920er Jahre wendet sich Robert Kohl der Ölmalerei zu und beteiligt sich nach seiner Rückkehr nach Wien im Jahre 1924 an zahlreichen Ausstellungen des Wiener Künstlerhaus. Es folgen Ausstellungen seiner Werke in der Neuen Galerie von Otto Kallir–Nierenstein und im Wiener Hagenbund, dem er 1937 als ordentliches Mitglied beitritt. Diese Erfolge währten jedoch nicht lange. Im Jahre 1937 werden seine Arbeiten im Museum der bildenden Künste in Leipzig als „entartet“ beschlagnahmt. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland emigriert Kohl im September 1938 nach Paris und verkehrt dort im Kreise österreichischer Emigranten um Joseph Roth. Seine in Paris entstandenen Arbeiten und die, von seiner Ehefrau nachgesandten Bilderkisten sind bis heute nicht mehr aufgetaucht. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wird Robert Kohl festgenommen anschließend nach Auschwitz deportiert wo er im Laufe des Jahre 1943 verstirbt.

Das hier gezeigte "Stillleben mit Hut und Früchten" ist ein schönes Beispiel für Kohls Umgang mit Farbe und Form. Mit lockerem Pinselstrich erarbeitet Kohl die im Vordergrund in kräftigen Farben gehaltenen Gegenstände. Alltagsgeschirr, Bekleidungsstücke und Früchte dienen dem Maler als Mittel um an kompositorischen und farblichen Problemen zu arbeiten. Nichts Inhaltliches lenkt den Blick des Betrachters ab. Kohl erarbeitet die Form aus der Farbe heraus. Es hat fast den Anschein als könne er „Licht in seine Bilder (…) gießen“ (Max Roden, in: Volkszeitung, Wien, am 27. November 1931). Ganz anders der Hintergrund. In kühlen, gedeckten Farben gehalten teilt Kohl diesen in geometrische Linien auf, die im Gegensatz zum Vordergrund auf keine eindeutigen Gegenstände verweisen. Er schafft so ein Spannungsgefüge zwischen Vorder- und Hintergrund wodurch die vordergründigen Gegenstände in ihrer vollen Leuchtkraft noch deutlicher hervortreten.
(Berenice Schwaiger)