Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0085

Alfons Walde*

(Oberndorf 1891 - 1958 Kitzbühel)

„Dorfplatz in Aurach“
um 1933
Öl auf Karton
33 × 52 cm
Signiert rechts unten: A. Walde
Originales Künstleretikett mit Nachlass-Stempel und handschriftlicher Bestätigung von Guta E. Berger, geb. Walde, rückseitig

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers; österreichischer Privatbesitz

Literatur

Gert Ammann, Alfons Walde 1891-1958, Innsbruck, 5. Aufl. 2005, vgl. Abb. S. 302 ("Dorfstraße")

Echtheitsbestätigung von Guta E. Berger, geb. Walde, vom 19. 04. 2002 liegt bei.
Das Bild ist im Werkarchiv von Alfons Walde registriert.

€ 160.000

"Bei dem mir vorgelegten Bild 'Dorfplatz in Aurach' handelt es sich um ein Original-Ölbild aus der Hand meines Vaters, Prof. Alfons Walde, Kitzbühel (Maße: 33 x 52 cm), Entstehungsjahr etwa 1933. Das Bild wurde von mir als echt empfunden." (Bestätigung von Guta E. Berger, geb. Walde, vom 19. 04. 2002)

Die Einzigartigkeit von Alfons Waldes Malerei liegt so paradox es klingt in der Einfachheit seines Stils. Ob es die weiß glänzenden Schneehänge, die weiß gekalkten Häuserwände oder die warmen Holzfassaden mit ihren leuchtend roten Farbtupfern des typisch alpinen Balkonschmucks vor blauen Bergsilhouetten sind, Walde verstand es wie kein anderer, den Typus einer alpinen Landschaft mit einer verknappten aber umso suggestiveren Bildsprache positiv und einprägsam zu vermitteln. Seine Motive sind daher leicht verständlich, ermöglichen einen unmittelbaren Zugang, erwecken bzw. bestätigen eigene Vorstellungen von Erholung und dem Einklang von Mensch und Natur. Walde hat zu einer Zeit, wo die tragische Existenz des Menschen im Fokus der Malerei stand, die positive Kehrseite des Lebens mit seinen Vergnügungen, atemberaubenden Schönheiten und friedlichen Lebensrhythmen thematisiert. Bewusst hat er seine Motive immer wieder wiederholt und im eigenen Verlag in hoher Zahl publiziert und damit eine geniale Marke geschaffen, die bis heute für Tirol und im besonderen Kitzbühel ein unübertroffenes Logo darstellt.

Waldes Studium und lebenslanges Interesse der Architektur bildete zweifellos eine wesentliche Grundlage für seinen analytischen Blick, mit dem er Formen auf ihre Grundstrukturen reduzierte, gewagte Perspektiven nahm und Bildelemente in belebendem Rhythmus zu arrangieren wusste. Ein wunderbares Beispiel für diese selbstverständliche Transformation der Wirklichkeit in eine allgemeine wie zeitlos gültige Präsenz eines Ortes stellt das Gemälde mit dem Blick in eine Dorfstraße dar: während die kubischen Formen der Häuser Festigkeit suggerieren, ist der Platz selbst mit seinen sich kreuzenden diagonalen und horizontalen Linien in Bewegung versetzt, was durch die dynamischen wie sichtbaren Pinselzüge noch unterstrichen wird. Die beschnittene Hausfassade links im Bild führt den Betrachter unmittelbar ins Dorf hinein, wo verschiedene Figuren in Waldes typisch gedrungener und gesichtsloser Erscheinung wie auf einer fernen Bühne agieren. (MHH)