Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0142

Franz Grabmayr*

(Pfaffenberg b. Obervellach/Kärnten 1927 - 2015 Wien)

„Kornmandl“
1978
Öl auf Leinwand
93 × 116 cm
Rückseitig signiert und datiert: Grabmayr 1978

Provenienz

direkt vom Künstler erworben; seither Privatsammlung, Wien

€ 25.000

Franz Grabmayrs Bilder sind unverkennbar durch den für ihn typischen pastosen Farbauftrag. Schon früh hat er eine ganz eigene Maltechnik entwickelt: „Ich arbeite vor allem mit der Spachtel, manchmal auch mit breiten Pinseln - und großen Mengen Farbe. Die gekauften Ölfarben haben viel zu viel Öl drinnen. Die sind nur geeignet für eine dünnere Pinselmalerei. Für mich muß die Farbe pastos sein, also fester. Wichtig ist, es muß viel Pigment drinnen sein - wegen der Leuchtkraft - und nicht zu viel Öl. In reiner Ölfarbe darf auch keine Beimischung, wie z.B. Gips, enthalten sein. Ich kaufe die Pigmente fertig, in 25-Kilo-Säcken, in der Farbfabrik, chemisch rein, lichtecht. Dann kommen in einen Baueimer 5 Liter Leinöl hinein und dann, sagen wir, 2 Liter Standöl - das ist eingedicktes Leinöl, das ist wie Honig. Und dann geb' ich auch Eier dazu. Die Eier haben den Vorteil, daß die Farbe kürzer wird, buttriger.“ (auf: www.franz.grabmayr.at)
Die so angemischten Farben lassen sich reliefartig auftragen, manchmal mischt Grabmayr noch Sand oder andere Substanzen dazu, um noch mehr Volumen zu erzeugen. Durch diese Technik erhalten die Bilder ein ganz eigenes Leben, sie vibrieren und strahlen eine Energie aus, jene Energie, die der Künstler wohl bei der Auswahl seines Motives gespürt haben muss.

In vorliegendem Bild ist es ein „Kornmandl“ wohl im Umfeld von Zwettl, wo Grabmayr ab 1973 sein Sommeratelier hatte. Goldgelb türmt sich das zum Trocknen hochgestapelte Getreide vor dem Betrachter auf und nimmt an den vordersten Bildrand gerückt, teils von ihm überschnitten, einen Großteil der Bildfläche ein. Die Stofflichkeit ist dem Künstler kein Anliegen, Heu, Wiese oder Himmel sind nur durch den unterschiedlich pastosen Farbauftrag und die Farbgebung voneinander zu unterscheiden. Motivisch sind wir an die Heuhaufen Vincent van Goghs oder Claude Monets erinnert, die ebenfalls den Reiz der sich vor einem weiten Horizont auftürmenden Strohballen in mehreren Bildern festgehalten haben. Stilistisch bewegt sich Franz Grabmayr an der Grenze zum Informel und zum abstrakten Expressionismus, bleibt aber stets dem Gegenständlichen treu. Deshalb wird Grabmayrs Schaffen auch gerne im Vergleich mit Nicolas De Staël und Chaim Soutine genannt, die ebenfalls trotz ihrer fortschrittlichen Malweise, das Figurative nie ganz aus ihren Bildern bannten. (Sophie Cieslar)