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Auction: Contemporary Art

08. October 2013, 5:00 pm

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Object

0091

Gottfried Helnwein*

(Wien 1948)

„Mouse XI“
2009
Mischtechnik (Öl & Acryl) auf Leinwand
100 × 140 cm
Rückseitig signiert: G. Helnwein

Literature

Klaus Albrecht Schröder / Albertina Wien (Hg.), Gottfried Helnwein, Wien, 2013, S. 99 f.

Kopie der Bestätigung des Künstlers liegt bei.

€ 50.000

Wien, die Stadt, in die ich direkt ach dem Zweiten Weltkrieg hineingeboren wurde, war ein düsterer Ort. Der lange Schatten des Dritten Reiches lag immer noch über der Stad, und der Geruch des Todes war in der Luft. Ich erinnere mich an die leeren Straßen, die Ruinen ausgebombter Häuser, Schutt und Asche, daran dass es keine Farben gab, keine Töne. (…) Die einzigen Kunstwerke, die ich in meiner frühen Kindheit sag, waren Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, von gefolterten, blutgetränkten Märtyrern und Heiligen an den Wänden der kalten Kirchen, in denen ich einen Großteil meiner Kindheit verbrachte. Bis eines Tages einige PR-Offiziere der amerikanischen Besatzungstruppen die gute Idee hatten, uns Nazikindern in Deutschland und Österreich ein wenig amerikanische Kultur in Form von Walt-Disneys-Comics nahezubringen, um uns umzuerziehen. Vor allem die Donald-Duck-Geschichten des genialen Zeichners Carl Barks schlugen bei uns ein wie eine Bombe und stellten unsere Welt völlig auf den Kopf. Es war ein Kulturschock. Für mich war es wie eine Offenbarung, ein religiöses Erlebnis. Als ich mein erstes Comic-Heft aufschlug, verließ ich die Welt meiner Eltern, die Welt von Gestern, von Tod und Finsternis, und trat in eine helle grenzenlose Zukunft ein. Zum ersten Mal erlebte ich Farbe und Tempo und die Macht der Fantasie und Einbildungskraft. (Gottfried Helnwein über die inspirierende Wirkung von Micky Maus und Donald Duck in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Gottfried Helnwein, Albertina Wien 2013, S. 99 f.)