Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

25. März 2014, 17:00 Uhr

0061

Rainer Fetting*

(Wilhelmshaven 1949)

„Rückenakt Desmond Green“
1989
Öl auf Sperrholz
203 × 125 cm
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Fetting 89 Desmond green oil on plywood

Provenienz

Galerie Raab, Berlin; Privatbesitz, Deutschland

Literatur

Staatliche Museen zu Berlin/DDR Nationalgalerie & Stadtmuseum Weimar (Bertuchhaus) Kabinet am Goetheplatz (Hg.), Rainer Fetting, Berlin/New York, Gemälde und Skulpturen, Berlin 1990, Abb. S. 151

€ 30.000

Als Rainer Fetting 1983 in Berlin die Zelte abbricht und nach New York geht, ist er mit 34 Jahren bereits ein international anerkannter Künstler. Aufsehen haben seine Werke schon deshalb erregt, weil sie das Lebensgefühl seiner Generation in bemerkenswerter Weise ausdrücken. Jetzt ist er auf der Suche nach meisterlicher Vervollkommnung, um auf anderen Wegen seine visuellen Bilder in neue Malerei umzusetzen. Keine Stadt ist anregender als New York mit seinen großen Museen und Ausstellungen der Weltkunst, die gern einen Bezug zur heutigen Zeit und ihren kulturellen Auseinandersetzungen herstellen. Werke klassischer Moderne, zeitgenössischer Kunst, aber auch die Alten Meister kann er hier ausgiebig studieren und die Malweise dann im eigenen Atelier erproben. Zeitgenössische Themen kommen während ausgedehnter Spaziergänge durch die Großstadt oder bei Kinobesuchen ganz selbstverständlich hinzu und regen seine visuelle Phantasie an. So entsteht in den 80er Jahren das malerische Repertoire, das Fettings Werk so besonders macht.

Der männliche Akt steht im Werk Fettings von Anfang an im Fokus. Seit der New Yorker Zeit unterstützt ihn dabei auf ganz eigene Art sein Modell Desmond Cadogan, der als Tänzer und regelmäßiger Nachtclubbesucher zu seinem Spiegelbild des New Yorker Lebens wird. Von jetzt an ziehen sich Aktbilder von Desmond wie ein roter Faden durch das Werk Fettings und geben gleichzeitig die malerische Entwicklung des Künstlers wieder. In den späten 80er Jahren ist Fetting von der photorealistischen Malerei Gerhard Richters fasziniert, er hat in Frankfurt die Stammheim Bilder gesehen und die Nass- in- Nass Technik bewundert. Diese Technik unterstützt Fettings Fähigkeit, auf seinen Gemälden die Illusion von Bewegung hervorzurufen. Zusätzlich nutzt er das Mittel der Zeichnung, ein ehrgeiziger Plan, denn im Gegensatz zum durchkomponierten Gemälde muss bei dieser Malweise jeder Strich auf Anhieb sitzen. Das Ergebnis ist von großer Spontaneität geprägt und entspricht seinem Wunsch, die Zeichnung auf Leinwand einem Gemälde gleichzustellen. Malerisch geht er noch einen Schritt weiter, wenn er sich einen zusätzlichen Widerstand in den Weg stellt und ein neues Trägermaterial einführt: Sperrholz an Stelle der Leinwand. Das Material ist äußerst resistent, unnachgiebig, jeder Pinselstrich muss mit der Struktur der Holzoberfläche harmonieren. Eine Herausforderung, die Fetting annimmt und die ihm zu seinem Stolz gelingt.

Als am 8. November 1989 die Mauer fällt und am 13. November die Entscheidung des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR für eine Fetting Ausstellung in der Alten Nationalgalerie in Ost- Berlin feststeht, ist Rainer Fetting noch in New York und arbeitet an den Werken auf Sperrholz. Anstatt, wie geplant, das nächste Flugzeug nach Berlin zu nehmen, vollendet er die Serie der Sperrholzbilder, um sie in der Alten Nationalgalerie vorzustellen. Im Katalog, der in 8000er Auflage erschien und nach 8 Tagen bereits vergriffen war, ist das vorliegende Gemälde, „Desmond Green“ abgebildet. Dieses Gemälde ist mit Fug und Recht ein Museumsbild.

IR