Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

28. November 2013, 18:00 Uhr

0166

Carl Schuch

(Wien 1846 - 1903 Wien)

„Landschaft mit Ententeich“
um 1880
Öl auf Leinwand
59 × 89 cm
Signaturstempel rechts unten: C Schuch
Rückseitig: Etikett Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt, Nr. 45302186;
Rückseitig Ausstellungsetikett: Stuttgarter Kunstkabinett R.N. Ketterer 662

Provenienz

Heinrich Feistmann, Offenbach; Stuttgarter Kunstkabinett R. N. Ketterer, 21. Kunstauktion, 18.-24.5.1955, Los 662; Alexander Gebhardt, München; verkauft im Jan. 1956 an Georg Schäfer, Schweinfurt (Inv. 3021); Privatbesitz, Österreich

Ausstellung

1911 Leibl und sein Freundeskreis, Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst, 1.5.-10.6.1911, Jubiläums-Ausstellung, Kat. 75; 1911 Charles Schuch, Wien 1846-1903, Frankfurt am Main, Frankfurter Kunstverein, 25. 9.-8.10.1911, Kat. 32

Literatur

W. v. Grolmann, Ausstellung "Leibl und sein Freundeskreis". Wiesbaden, Deutsche Kunst und Dekoration XXVII/11, August 1911, S. 367-388, Abb. S. 387

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 40.960 (inkl. Gebühren)
Auktion ist beendet.

Wir danken Dr. Roland Dorn für die wissenschaftliche Unterstützung.

Dieses Gemälde ist im Carl Schuch-Archiv (C.19)/Nachlass Claus Korte im Besitz des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg im Breisgau, nachgewiesen und wird in den Catalogue raisonné von Carl Schuchs Œuvre aufgenommen, den Roland Dorn mit großzügiger Unterstützung der Carl Schuch-Gesellschaft, Zürich zum Abschluss bringt.

Typisch für Schuch ist die Konzentration auf ein malerisches Problem, an das sich die Wahl des Bildausschnittes anpasst. Hier ist es die Spiegelung auf der Wasserfläche, die sowohl den strahlenden Himmel als auch den dunklen Bulk der Bäume in sich aufnimmt. Schuch erarbeitet das Motiv rein aus den Farben und ihren Tonalitäten heraus. Graphische Elemente, Konturen und Kanten werden vollständig vermieden, die Körperlichkeit der Gegenstände entsteht durch den perfekten Umgang mit Farbwerten, dem Nebeneinandersetzen genauestens beobachteter Nuancen innerhalb der Lokalfarbe. Bildtiefe und Atmosphäre der Landschaft entstehen durch das Staffeln der Motive, aber noch stärker durch das farbliche Verschwimmen der Gegenstände in der Ferne. Helle Flecken leuchtender Gelbtöne suggerieren Sonnenflecken und verstärken den beinahe fühlbaren Eindruck einer Landschaft an einem strahlenden Sommertag.
Schuchs Streben nach einer wahrhaftigen Malerei jenseits aller Ismen, die in Perfektion die beobachtete Natur darstellt, führt ihn zu einer Malerei, die höchst realistisch und dem menschlichen Sehverhalten entsprechend abbildet und in der Intensität der Naturbeobachtung daher traditionslos scheint.

Schuch, der sein Leben lang in intensivem Studium die Perfektion der Darstellung gesucht hat, war früh tief beeindruckt von den Barbizon-Malern und nahm mit seinem übersteigerten Realismus den Impressionismus vorweg. Seine Konzentration auf die altmeisterlichen Themen Stillleben und vor allem Landschaft, die für ihn zeitlebens die Meisterklasse darstellte, sowie die Weigerung, seine Malerei modischen Tendenzen zu unterwerfen, hat ihm aber zeitlebens die Anerkennung verwehrt, die ihm als Wegbereiter für die Malerei des 20. Jahrhunderts zusteht.
Das vorliegende Werk reiht sich in seine mittlere Schaffensphase ein und deutet im bewegten Strich und den dynamischen Farben, die zusammen das Motiv beinahe in Atmosphäre aufzulösen scheinen, auf seine späten, beinahe abstrahierten Landschaften hin. (Lit.: Ausstellungskatalog Wien 2012, Agnes Husslein-Arco, Stephan Koja (Hg.), Carl Schuch. Ein europäischer Maler, 26.6 – 14.10. 2012, Belvedere, Wien.) (Nina Binder)