Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0589

Albert Birkle

(Berlin 1900 - 1986 Salzburg)

„Porträt eines Schauspielers“
um 1923
Öl auf Leinwand
49,5 × 36 cm
Signiert links unten: A. Birkle

Provenienz

Ketterer Kunst, München, Auktion am 05. 12. 2006, lot 156; Privatbesitz, Österreich

Schätzpreis: € 10.000 - 20.000
Ergebnis: € 10.000
Auktion ist beendet.

Albert Birkle, Sproß einer Berliner Künstlerfamilie, studierte von 1920 bis 1925 an der Berliner Akademie und fand als jüngstes Mitglied Aufnahme in die „Berliner Secession“ und in die von Max Liebermann angeführte „Preußische Akademie der Künste“.

Wohl noch während der Zeit an der Akademie ist das „Porträt eines Schauspielers“ entstanden. Birkles Malerei darf zu der damals vor allem auch in Berlin stark vertretenen Malerei der Neuen Sachlichkeit gerechnet werden. Typisch für die Porträts dieser Stilrichtung ist vor allem eine nüchterne, keineswegs beschönigende Wiedergabe der Dargestellten, die oft bis ins Karikaturenhafte geht. Birkles eigenwillige Charakterköpfe erinnern auch an die berühmten Skulpturen des Franz Xaver Messerschmidt aus dem 18. Jahrhundert, der alle Arten von physiognomischen Zuständen bis hin zu extremen Grimassen in Stein gemeißelt festhielt. Das Gesicht ist ja „nicht allein ein Beispiel extremer menschlicher Physiognomie, sondern zugleich ein Spiegel seelischer Gestimmtheit“ (Hans Jürgen Buderer, Neue Sachlichkeit, München 1994, S. 157).
Der Schauspieler hat die Mundwinkel und das Kinn nach unten gezogen, sodass ein mehrfaches Doppelkinn die untere Gesichtshälfte in Falten legt. Unter seinen Augen mit den geröteten Lidrändern werfen Tränensäcke tiefe Schatten. Die Stirn hat er gerunzelt, ein Effekt, der jedoch durch die dichten, dunklen Haare, die ihm ins Gesicht hängen, abgemildert wird. Sein Gesichtsausdruck ist ambivalent, fragend, trotzig, leicht verärgert, aber auch resigniert. Spielt er, so spielt er seine Rolle fraglos sehr überzeugend. Es gelingt Albert Birkle perfekt „eine individuelle psychologische Gestimmtheit durch sachliche und realistisch akribische, nichts beschönigende Schilderung zu offenbaren… Es ist dabei das Außergewöhnliche, daß zunehmend Extreme in den Mittelpunkt rücken“ (s.o., S. 157). Die Malweise des Künstlers ist von einem altmeisterlichen Realismus und einer Feinheit im Pinselstrich, die jedes Detail, jede Falte, jede Unebenheit der Haut fast fotografisch erfasst. Es geht nicht um das Festhalten des Alltäglichen, sondern „das Besondere, Eigenwillige, eher Sonderbare“ (s.o., S. 163) soll unterstrichen werden. (Sophie Cieslar)