Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0529

Carl Moll*

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Blick auf die Heiligenstädter Kirche“
1904-1906
Öl auf Leinwand
54 × 54 cm
Signiert links unten: C. Moll

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Vgl. Monika Fritz, Der Wiener Maler Carl Moll (1861-1945), Dissertation, Innsbruck 1962, Kat. Nr. 35-39, 46; Hans Dichand, Astrid Gmeiner, Carl Moll, Salzburg 1985, vergleiche S. 58, Abb. 50 ("Heiligenstädter Pfarrkirche, 1904") sowie Tafel 17 ("Heiligenstädter Pfarrkirche im Herbst, 1904"); Vgl. Tobias G. Natter, Carl Moll, Belvedere, Wien 1998, vergleiche Tafel 37 und 38

€ 65.000

Die erste Villa der als Künstlerkolonie geplanten Hohe-Warte-Siedlung im 19. Bezirk in Wien errichtete Josef Hoffmann als Doppelhaus für die Künstler Carl Moll und Kolo Moser. Im August 1901 konnte das heute stark veränderte Haus in der Steinfeldgasse 6-8 bezogen werden. Der Wohnbereich lag im Erdgeschoß, während eine Zentraltreppe zum "weitgehend autark behandelten Ateliergeschoß unter dem Dach" führte. Von der Terrasse aus bot sich ein freier Blick auf die Landschaft des Wiener Waldes Richtung Kahlen- und Leopoldsberg, auf Grinzing und auf die Pfarrkirche St. Michael im Stadtteil Heiligenstadt. Ihr markanter, in neugotischem Stil um 1900 errichteter Turm durchschnitt als strenge Vertikale die Aussicht auf die Weingärten und regte Carl Moll zwischen 1903 und 1906 zu einer Serie von Bildern mit diesem Motiv an.

Bislang sind in der Literatur sechs Bilder aus jenen Jahren bekannt, zwei davon datiert mit Winter 1904. Bei allen bekannten, wie denen in der Österreichischen Galerie im Belvedere oder im Wien Museum wird der Turm der Pfarrkirche abgeschnitten, alle entstanden in den Jahreszeiten von Herbst bis in den frühen Frühling. Eine verhaltene Farbgebung unterstreicht daher die maltechnischen Finessen sowie den graphischen Ausdruck.

Das vorliegende Gemälde im typisch quadratischen Format der Secessions-Jahre zeigt als einziges den gesamten Turm, der Maler nimmt also einen größeren Winkel, der den Blick auf die Weite und sanfte Hügelformation des Nußberges im Hintergrund lenkt. Erdige Töne, aufgelockert durch einzelne Farbpartien bestimmen das Kolorit und vermitteln mit dem gleichmäßigen Format einen harmonischen Klang. Anders hingegen die Komposition, die mit der aus der Mitte verschobenen Vertikalen des Turmes und dem spannungsvollen Diskurs zwischen vegetabiler und gebauter Struktur, zwischen malerischer Freiheit und linearer Ordnung, zwischen Fläche und Raum eine belebende Unruhe und Irritation bewirkt. (MHH)