Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0526

Carl Moll*

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Rosen“
um 1930
Öl auf Holz
35,5 × 35 cm
Monogrammiert links unten: CM

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

€ 60.000

Die schweren Köpfe der bis ins Purpur leuchtenden roten Rosen neigen sich über den Rand der gläsernen Kugelvase und färben ihren eigenen Schatten auf der Tischplatte. Das monochrome Lindgrün des Hintergrundes steigert die expressive Exaltiertheit der Darstellung, die einen schlichten Rosenstrauß zu einem berauschend kraftvollen Sujet werden lässt.
Carl Moll war um 1930, mit immerhin 70 Jahren, zu einem neuen Stil übergegangen, der den Zeitentwicklungen und seiner pausenlos gesammelten Erfahrung entsprach. Weite Reisen, seine Tätigkeit als Ausstellungskurator und Autor sowie als Kunsthändler brachten Carl Moll einen ungeheuren Überblick über historisches wie zeitgenössisches Kunstschaffen. Besonders die Reise nach Algerien von 1930 mag zu einem neuen Ansatz der Licht- und Farbwahrnehmung beigetragen haben. Im Jahr 1930 malte Moll aber auch als Schüler des wesentlich jüngeren Kollegen Robin Christian Andersen (1890 -1969) in dessen Atelier. Andersen war Mitglied der Neukunstgruppe, des Hagenbunds und der Secession. Moll öffnete sich für die stilisierende Darstellungsweise und die Farbpalette dieser Generation, die auch den Großteil seines Alterswerks bestimmen sollte.
Ab etwa 1918 zeichnet sich in Carl Molls Oeuvre eine Hinwendung zu einem expressiveren Duktus und einer leuchtendnr Farbpalette ab. Bereits die 55 Werke, die das Künstlerhaus im Jahr 1921 anlässlich Carl Molls 60. Geburtstag ausstellte, sprechen eine andere Sprache als die von skandinavisch anmutender Stille geprägten, in kultiviert zurückhaltender Tonigkeit und fein pointillierender Technik ausgeführten Arbeiten der früheren Secessions-Jahre.
Die skizzenhaft freie Gestik des vorliegenden Gemäldes schildert Molls neue Arbeitsweise und die nun nicht mehr auf eine aus innerer Atmosphäre modellierte Wirkung zielende Aussage sondern eine durch die bloße Handschrift des Künstlers hergestellte Stimmung. Pastos und mit breitem Pinselstrich erfasst Moll das Wesen des Dargestellten, wie der samtigen Blütenblätter und der glänzenden Vase. In anderen Arbeiten dieser Zeit greift er sogar zur Spachtel, um noch ungezierter zu gestalten. Das nahezu quadratische Format bleibt jedoch einem Ideal der Secession verbunden.
Ein Bouquet mit „Sommerblumen“ von 1926 im Besitz der Österreichischen Nationalbank (vgl. Österreichische Malerei der Zwischenkriegszeit. Die Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank, Wien 2005, Abb. S. 105) zeigt ein Stillleben mit gleicher Glasvase auf gleicher roter Marmortischplatte, doch noch mit detaillierter ausgearbeitetem Umfeld, vor Molls konsequentem Schritt zur Expression. (Claudia Lehner-Jobst)