Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

28. November 2013, 17:00 Uhr

0008

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Taufe Christi“
Öl auf Holz, parkettiert
74,5 × 106 cm

Provenienz

vom derzeitigen Besitzer vor ca. 50 Jahren im Kunsthandel erworben, seither europäischer Privatbesitz

Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, 30. März 2012, liegt bei.

€ 20.000

Das Gemälde zeigt die neutestamentarische Szene der Taufe Christi auf einer Waldlichtung. Im Bildzentrum, am Rande eines Gewässers, steht Christus mit vor der Brust gekreuzten Händen, während Johannes der Täufer ihm Wasser über den Kopf gießt. Zwei Engel begleiten das Geschehen. Ringsherum, besonders in der rechten Bildhälfte, wohnt auch eine Vielzahl von Figuren der Szene bei, darunter nackte spielende Kinder, sitzende Mütter und ein Mann der sich gerade wieder die Schuhe zubindet. In der linken oberen Bildecke öffnet sich der Himmel über der Taufszene und umgeben von sitzenden und fliegenden Engeln ist Gottvater mit einem stilisierten Erdglobus in den Händen zu erkennen.

Bereits um 1605 schuf Jan Brueghel d. Ältere gemeinsam mit Hans Rottenhammer eine ebenso vielfigurige „Taufe Christi“ (Öl auf Kupfer, 33 × 44 cm, München, Alte Pinakothek, Inv. Nr. L760). Es darf davon ausgegangen werden, dass Jan Brueghel d. Jüngere, der nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1625 dessen Werkstatt übernahm, auch Kenntnis von dieser Komposition hatte. Er selbst arbeitete gemäß der Antwerpener Tradition des 17. Jahrhunderts auch häufig mit anderen Künstlern zusammen. Zu nennen wären hier neben Jan van Balen, mit dem er beispielsweise gemeinsam das „Fest der Götter“ schuf (Öl auf Kupfer, 45 × 65 cm, 1640er Jahre, Privatbesitz), Hendrik van Balen, Peter Paul Rubens, Josse de Momper oder Adriaen van Stalbemt. Von Jan van Balen, der wohl als ältester Sohn ebenfalls die Werkstatt seines Vaters Hendrik van Balen fortführte, befindet sich eine unserem Gemälde ähnliche jedoch spiegelverkehrte Komposition der „Taufe Christ“ im Koninklijk Museum voor Schonen Kunsten in Antwerpen (Öl auf Leinwand, 100 × 218 cm, 1630er Jahre, Inv. Nr. 925). Der Reiz unseres Gemäldes liegt besonders in der gelungenen Farbkomposition. Der Vordergrund wird durch die leuchtenden, in Rot-und Weißtönen gehaltenen Figuren der Balen-Werkstatt bestimmt. Sie sind eingebettet in die saftig grüne Waldlandschaft Brueghels, die entlang des Gewässers in pastelligen Farben in den Hintergrund verläuft, und wiederum als farbliches Gegengewicht von der in leuchtendem Gelb hervorgehobenen Himmelsszene bekrönt wird. (KS)