Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Oktober 2013, 17:00 Uhr

0285

Victor Vasarély*

(Pecs 1906 - 1997 Paris)

„o.T.“
Acryl und Collage auf Leinwand
60 × 80 cm
Signiert rechts unten: Vasarély

Widmung rechts unten: Pour Janine Bodenschatz, avec toute ma sympathie, Vasarely

Schätzpreis: € 30.000 - 60.000
Auktion ist beendet.

Die Kunst ist zum Niemandsland geworden. Jeder kann sich zum Künstler oder gar zum Genie ernennen. Jeder Farbenfleck, jeder Kritz und jeder Kratz kann zum Kunstwerk im Namen des heiligen Subjektivismus erklärt werden. (Victor Vasarely)

Victor Vasarely wurde 1908 in Ungarn geboren und ließ sich 1930 in Paris nieder. 1959 wurde er französischer Staatsbürger. Zwischen 1930 und 1940 widmete er sich der Grafik, ab 1944 entstand das malerische Werk. Sein Schaffen wurde mit zahlreiche Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. 1964 erhielt er den Guggenheim-Preis in New York, 1966 wurde er zum Ehrenbürger von New Orleans, Louisiana ernannt und 1977 zum Ehrenberater auf Lebzeiten durch die Gesellschaft der Plastischen Künste der UNESCO.

Zahlreiche Betrachter verschiedenartigster Herkunft zeigen die gleiche Überraschung vor einigen meiner Werke: Sie sind überrascht, keine künstliche Beleuchtung vorzufinden, welche unauffällig vor oder verdeckt hinter den Bildern angebracht ist; sie sind erstaunt, auf meinen gemalten Flächen keine fluoreszierenden oder phosphoreszierenden Farben vorzufinden. Sie machen sich nicht klar, dass meine Kompositionen eine Leuchtkraft ausstrahlen oder dass es Schattenzonen gibt, welche sie stellenweise abdunkeln. Was ist erstaunlich daran, daß die leuchtenden Stimmungen auf den Bildern der Impressionisten, dass die 'Sonnen' auf denen von Van Gogh in der Lage waren, Licht auszustrahlen? Das Bildthema verstärkte noch unzweideutig diese Illusion. In meinen Bildkompositionen gibt es keine identifizierbaren Beziehungen, und dennoch entströmt ihnen Licht! Diese überraschenden Effekte haben ihre Ursache in der Strenge der Permutationen innerhalb meiner Farbskalen. Diese vielfarbigen 'Hell-Dunkel-(Effekte)', aus der Deckfarbe abgeleitet, erhalten eine besondere Bedeutung in einem Augenblick, wo die Mehrzahl der jungen Plastiker die ebene Fläche und die Farbgebung hinter sich lassen zugunsten des lichtkinetischen Objekts. Gewiss, dem elektrischen Licht kommt eine besondere Aufgabe im Nachtleben der Städte zu. Diese Tendenz hat deshalb auch eine Zukunft, aber ihre Vertreter sollten niemals vergessen, dass, selbst wenn ihre Revolte gegen die Staffeleimalerei voll gerechtfertigt ist, das Verlassen der ebenen Fläche - jenem Ort des grundlegenden plastischen Suchens - sie in das Lager der Bastler verweist. Dann und vor allem darf man das nicht vergessen: Die Verwandlung der ebenen Wandflächen schafft die Massen und die nicht endenwollenden Räume der geschäftigen Stadt, die so kaputt macht. Aber hier soll das Wunder der Vielfarbigkeit aufleuchten und im hellen Licht des Tages zum Wohltäter werden. Die Zweidimensionalität ist ein unendlicher Zauberraum in einem wirklichen und winzigen begrenzten Bereich. Die Supra-Dimensionen: Form-Farbe, Plastizität, Licht, Bewegungs-Zeit, entstehen im Raum der Zweidimensionalität, um sich fortschreitend über Blätter, Mauern und Bildwände auszubreiten. Geben wir doch etwas zu sehen, damit der Mensch wahrhaft sehen kann.
(Victor Vasarely, 1969)