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Auktion: Antiquitäten

20. Juni 2013, 18:00 Uhr

0513

Arthur Strasser

(1854, Adelsberg (Krain) - 1927, Wien)

„Kleopatra“
Wien, 1905
Bronze, gegossen
98 × 48 × 82 cm

€ 42.000

Arthur Strasser
(Adelsberg/Krain 1854-1927 Wien)
Kleopatra erscheint vor Marc Anton als Aphrodite
Wien, 1905
Bronze, gegossen; dunkel patiniert; freistehende Darstellung der nackten Kleopatra thronend auf einer Sänfte, die von acht starken römischen Soldaten getragen wird, begleitet werden sie von zwei angeketteten wilden Panthern; detailliert ausgeführter Thronsessel mit Pölstern und Quasten, die seitlichen Armstützen in Form von liegenden Raubkatzen; rechteckige Plinthe; sehr feine Ausarbeitung der einzelnen Oberflächen und Details; an der Plinthe mittig betitelt "Kleopatra", rechts signiert und datiert: "Strasser Wien / 1905", an der Seite rechts Gießerstempel und -nr.: "K.-K. Kunst-Erzgiesserei / 323"; am Polster der Kleopatra nochmals signiert und datiert: "Strasser / 1905";
98 x 48 x 82 cm

Provenienz: Privatbesitz des Künstlers; nach der Jubiläumsausstellung 1908 verkauft; seither belgischer Privatbesitz
Literatur: Thieme-Becker, Bd. 31/32, S. 157 (dort auch erwähnt)
Ausstellungen: Jubiläumsausstellung Wiener Künstlerhaus 1908, Kat.Nr. 220a; Gedächtnis-Kollektionen, Künstlerhaus Wien, September 1928, Kat.-Nr. 145, „Cleopatra, die „Zauberin des Nils“, erscheint vor Marc Anton als Aphrodite“
Abgebildet in: Katalog der österreichischen Jubiläumsausstellung im Wien, Künstlerhaus I, März-Juni 1908, Nr. 220a, 51; Karl M. Kuzmany, die Jubiläumsausstellung im Wiener Künstlerhaus, in: Die Kunst: Monatsheft für freie und angewandte Kunst, München 1908, Bd. 17, S. 468, Abb. 60, S. 473; Ausstellungskatalog Gedächtnis-Kollektionen, Tripolis-Kollektion, September 1928, Nr. 145

Arthur Strasser (1854-1927) war in der Zeit von 1871-1875 Schüler der Wiener Akadamie u.a. bei Viktor Tilgner. Ein Stipendium ermöglichte ihm in den Jahren 1881-1883 einen längeren Parisaufenthalt, bei dem er auch seine malerischen Fähigkeiten schulte. Das Jahr 1892 brachte durch eine Reise nach Ägypten mit Charles Wilda einen wichtigen Impuls im künstlerischen Schaffen Strassers – das exotische Land weckte sein Interesse für orientalische Volkstypen, die er daraufhin bis an sein Lebensende in Terracotta und Bronze festhielt. Er traf mit diesen Arbeiten, die oftmals in kleinerem Format ausgeführt wurden, den Zeitgeschmack der damaligen Gesellschaft, die sich ihre Räumlichkeiten vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts gerne mit Werken des Orientalismus schmückte.
1899 bis 1919 war Strasser Leiter einer Fachklasse für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Wien. Er ist Träger einiger Preise, wie etwa des Kaiserpreises (1893), der großen goldenen Staatsmedaille (1896) und der großen Medaille der Pariser Weltausstellung (1900). Strasser war sowohl Mitglied des Künstlerhauses als auch der Secession. Arthur Strasser folgte einem naturalistischen Stil, den er durch Polychromierung seiner Bildhauerarbeiten perfektionierte. Zur wohl bekanntesten Arbeit des Künstlers zählt der mächtige Triumphwagen des Marc Anton neben der Wiener Secession, den die österreichische Regierung für die Pariser Weltausstellung 1900 bei ihm in Auftrag gegeben hat. Ein weiteres Werk sind die Bronzeadler auf der Kennedybrücke in Wien Hietzing. Auch mit der Manufaktur Goldscheider arbeitete Strasser zusammen – er entwarf einige Modelle für kleinere Skulpturen, die in Keramik ausgeführt wurden.

Als ein weiteres Hauptwerk gilt die „Kleopatra“, die von der Genossenschaft der bildenden Künstler und der Familie Strassers für dermaßen wichtig erachtet wurde, dass man sie auf jeden Fall bei der Gedächtnisausstellung des Künstlers 1928 in Wien zeigen wollte (Künstlerhausarchiv ZC. 298/28 La/sto). Im Ausstellungskatalog wurde sie mit folgenden Worten beschrieben: „Als feine Menschenbeobachterin kannte sie die Neigung des römischen Alcibiades für das Phantastische, mit der er sich der Abstammung von dem Göttersohne Hercules rühmte und sich als den „Neuen Baccus“ feiern ließ. Bei ihrer ersten Begegnung erschien sie als Aphrodite, um zu Asiens Heil den Dionysos zu besuchen. Die Aphrodite des Nils, die alle Männer besiegte, war gekommen, um den größten Schlachtensieger zu überwinden.“ Erstmals einer größeren Öffentlichkeit gezeigt wurde die „Kleopatra“ jedoch schon gut 20 Jahre zuvor bei der Jubiläumsausstellung des Wiener Künstlerhauses 1908. Als „Kleopatra erscheint vor Marc Anton als Aphrodite“ wurde sie mit einem beachtlichen Preis von 70.000 Kronen zum Verkauf angeboten. Das sie zu den Publikumsmagneten der Ausstellung gehörte, zeigt sich wohl in der Erwähnung der Bronzegruppe in der Ausstellungsrezension in der Zeitschrift „Die Kunst“ – dort wird „seine [Strassers] alte Vorliebe für athletische Formen“ hervorgehoben.
Es ist auch heute noch nachzuvollziehen, dass die Skulptur die Blicke der Zuschauer auf sich zog. Die kompakte Komposition scheint zusätzlich durch die muskulösen Körper der Träger, die athletische Figur der Kleopatra, der tierischen Stärke der wilden Panther und nicht zuletzt durch das dominante Schwarz der Bronzeoberfläche gebündelte Kraft in sich zu bergen. Beachtlich ist auch die äußerst naturalistische und detaillierte Wiedergabe der einzelnen Oberflächen und Beschaffenheiten. (RH)