Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

19. März 2013

0101

Alfred Klinkan*

(Judenburg 1950 - 1994 Wien)

„o.T.“
1983-1985
Öl auf Leinwand
75 × 65,5 cm

€ 4.500

Alfred Klinkan *
(Judenburg 1950-1994 Wien)

o.T., aus der Serie "Rote Bilder" 1981
Öl auf Leinwand; 75 x 65,5 cm

Ausgewählt von Peter Baum

ALFRED KLINKAN
Ohne Titel, 1983 - 1985
Acryl auf Leinwand, 75 x 65 cm

Das kleine Bild mit der dynamisch aufspringen, fliegenden roten Figur stammt aus der bestimmenden Frühzeit des in der Steiermark geborenen, bald in Wien und dann später in München und Antwerpen ansässigen, 1994 mit nur 44 Jahren früh verstorben Künstlers.

Es kommt aus einer österreichischen Sammlung, die größtenteils in jenen Jahren zusammengestellt wurde, als die Neuen Wilden ihren Durchbruch gerade geschafft hatten und das Interesse vergleichsweise breiter Publikumsschichten für den vitalen Neoexpressionismus einer neuen jungen Künstlergeneration in Deutschland, Italien, der Schweiz und Österreich nicht mehr aufzuhalten war.

Kraftvolle Farben, exaltierte, eigenwillige Figurationen und eine generell verknappte, da und dort unverhohlen an die Alten Wilden, an Expressionisten wie Kirchner, Schmidt-Rottluff, Kokoschka oder Heckel erinnernde Gegenständlichkeit, wurden zur Trade Mark einer gegen Minimalismus, radikale Abstraktion und allzu viel Kalkül in der Kunst antretende Bewegung,
die in Österreich eine Ära mitprägte.

Alfred Klinkan, der bei Wolfgang Hollegha die naturbezogenen Abstraktion kennen lernte, war ein skuriller, quirliger Bursche mit eigenartigem Humor und einem geradezu barocken Schaffensdrang. Er liebte Poesie, Erzählung und eine die Norm negierende Welt voller Wunder und Harmonie, gleichberechtigt geschaffen für Mensch und Tier.

Was eine Szene aufzuladen vermochte und vitalisierte, in Bewegung versetzte, konnte er - wie wir hier sehen - schnell, in farbenfrohem Duktus niederschreiben. Seine “flüssige“ Malerei läuft über die gesamte Darstellung, delektiert sich an ineinander rinnenden Verläufen, konfettiartigen Spritzern und schafft, wie es so daher kommtl, Stimmung und Atmosphäre.

Nicht alles, was angedeutet wird, kann man auch erwischen. Man kann aber auch mehr sehen als prima vista gezeigt wird und sich ohne schlechtes Gewissen an den Parabeln einer liebevollen, sehr persönlichen Gegenwelt erfreuen.

P e t e r B a u m