Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

19. März 2013

0040

Gunter Damisch*

(Steyr 1958 - 2016 Wien)

„o.T.“
1985
Mischtechnik auf Papier
98 × 74 cm

€ 5.500

Gunter Damisch *
(Steyr 1958 geb.)

o.T., 1985
Mischtechnik auf Papier; 98 x74 cm
Signiert und datiert links unten: G Damisch 85

Ausgewählt von Peter Baum

GUNTER DAMISCH
Ohne Titel, 1985
Mischtechnik auf Papier, 98 x 74 cm

Ein Vibrato des Vollblutzeichners! In dichten schwarzen Strichgefügen auf ockerfarbigem Grund verspannt, zeigt sich das großformatige Blatt bewegt, ekstatisch, voller rätselhafter Zeichen und Andeutungen. Es hält seine skripturale Balance, wie man das, stärker auf Muster und Dekor bezogen, von den Rinderstoffzeichnungen der Pygmäen aus Zaire her kennt oder von frühen Aquarellen Kandinskys aus 1914, die sich im Lenbachhaus in München befinden.

1985, als diese Arbeit entstand, der man Konzentration und innere Unruhe ebenso anmerkt wie die Sympathien des Künstlers für Art Brut und außereuropäische Kunst, lösten die Arbeiten der Neuen Wilden, wie man die gegenständlich orientierten Maler und Zeichner damals in Österreich nannte, geradezu Begeisterungsstürme bei meist jüngeren, vor allem an Unikaten interessierten Sammlern aus.

Damisch hat sich von da an bis heute in einem großen, breit gefächerten Oeuvre in all seinen Talenten zu einem funkelnden Fixstern entwickelt gleich seinen ebenso erfolgreichen Kollegen wie Herbert Brandl, Erwin Bohatsch, Hubert Schmalix, Siegfried Anzinger, Alois Mosbacher, Roman Scheidl und Hubert Scheibl.
Sie alle gingen und gehen seit langem individuelle, von unterschiedlichen Überzeugungen gekennzeichnete Wege, deren Summe als großes, wirksames Kapitel österreichischer Kunstgeschichte nach 1980 die Kunstlandschaft über unsere Grenzen hinaus eigenständig akzentuiert und bereichert hat.

Die graphische, zeichnerische Kraft, die in unserem, farbig zurückhaltend angereicherten Blatt steckt, wird hier in einem unbegrenzten Spannungsfeld, in einem schwer durchschaubaren Kosmos von großer Eigenart und widerspenstigem Charakter sichtbar.
Als Mittler zwischen Rebellion und Romantik verkörpert darin der Zeichner die Unverbrauchtheit eines differenzierten, suchenden, auch aneckenden herben Strichs und einer unmittelbaren, Zeichen setzenden Malweise, die mehr auf Imagination und Magie als auf leicht nachvollziehbare Stilistik und einschränkende Erklärung setzt.

P e t e r B a u m