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Auktion: Alte Meister

13. November 2012

Objektübersicht
Objekt

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„Turmbau zu Babel“
Öl auf Leinwand
154 × 113 cm

€ 25.000

Flämischer Meister um 1600
Turmbau zu Babel
Öl auf Leinwand, doubliert, 154 × 113 cm
Provenienz (laut Angaben des Besitzers): wohl um 1920 von einem österreichischen Sammler im Kunsthandel erworben;danach im Erbgang an den derzeitigen Besitzer übergegangen

Den Söhnen Noahs folgten viele Nachkommen, die alle dieselbe Sprache sprachen. Sie begannen eine Stadt zu bauen und einen Turm zu errichten, der bis zum Himmel ragen sollte. Mit diesem Bauwerk wollten sie sich einen Namen machen und als ein Volk gelten. Gott erkannte darin ihren Hochmut und strafte die Vermessenheit der Menschen und des Bauherrn König Nimrod,indem er ihre Sprache verwirrte, so dass sie nunmehr ohne Verständigung den Bau aufgeben mussten. (Gen 11, 1–9)
Das Thema des „Turmbau zu Babels“ ist durch die Vielfältigkeit der handwerklichen Tätigkeiten und Architekturformen besonders reizvoll und wurde gerade in der flämischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts zu einem beliebten Bildmotiv. Vor allem Pieter Brueghels d. Ä. 1563 datierter „Turmbau zu Babel“ im Kunsthistorischen Museum Wien oder die Darstellungen der Familie Valckenborch, beispielsweise der „Turmbau zu Babel“, 1595, von Maerten I van Valckenborch in der Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden, prägten die Formulierung des Sujets mit meist rundförmigem Spiralturm. (Zu der architektonischen Entwicklungsgeschichte des Turmes, vgl. Helmut Minkowski, Vermutungen über den Turm zu Babel, Freren 1991, S. 77ff.)
Im Gegensatz zu den häufig eher rund gestalteten Türmen, weist der Turm in vorliegendem Gemälde jedoch eine streng rechteckige, nahezu quadratische Grundform auf, welche auch bis in die gen Wolken reichende Spitze mit ihren noch teilweise unvollendeten Stockwerken fortgeführt wird. Auf rechtwinklig angeordneten Rampen sieht man Karawanen von kamelartigen Lastentieren und unzähligen Arbeitern ihr Werk verrichten. Dies zeugt wiederum vom technischen Interesse an der Anschaulichkeit einer Großbaustelle. Bei den Reitern im Vordergrund handelt es sich wohl um die Darstellung König Nimrods in Begleitung seiner Garde, der als Bauherr die Planung und das Fortschreiten seines Turmes begutachtet.