Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

13. November 2012

0034

Daniel Seiter

(Wien 1649 - 1705 Turin)

„Der ungläubige Thomas“
um 1700
Öl auf Leinwand (doubliert)
91 × 125,5 cm

€ 10.000 - 20.000

Daniel Seiter
(Wien 1649–1705 Turin)

Der ungläubige Thomas
Öl auf Leinwand, doubliert, 91 × 125,5 cm
um 1700
Provenienz: Österreichischer Adelsbesitz
Literatur: vgl. Matthias Kunze, Daniel Seiter, München/ Berlin 2000, S. 103 f., Kat.-Nr. G 58 & G 59

Wir danken Herrn Prof. Dr. Wolfgang Prohaska, Kustos eremitus des Kunsthistorischen Museums, Wien, für die Besichtigung des Gemäldes im Original. Er bestätigt ebenso wie Prof. Dr. Erich Schleier, Berlin (anhand von Fotos) unabhängig die Zuordnung als Werk Daniel Seiters. Ebenso danken wir Dr. Matthias Kunze, Verfasser des Werkverzeichnisses zu Daniel Seiter, für die Bestätigung des Gemäldes (anhand von Fotos). Dr. Matthias Kunze wird dem Käufer auf Wunsch gerne ein ausführliches Gutachten zu dem Gemälde verfassen.

Das vorliegende neu entdeckte Werk Seiters gibt eindrucksvoll die im Johannes-Evangelium überlieferte Szenerie wider, in welcher der Apostel Thomas dem auferstandenen Christus begegnet. Um seine Zweifel zu überwinden, legt Thomas seine Hand in die Wunde des Herrn. Eine der wohl bekannteste Darstellungen des sogenannten „Ungläubigen Thomas“ aus dem Jahre 1621 stammt von Guercino (vgl. Luigi Salerno, I dipinti di Guercino, Rom 1988, Nr. 74, Abb. S. 154.). Auch Daniel Seiter scheint das Werk Guercinos gekannt zu haben und schuf seine heute in der Alten Pinakothek, München, befindliche Interpretation desselben Sujets in Auseinandersetzung mit diesem Vorbild. „Er (Seiter) hebt vor allem das Moment der Offenbarung im Berühren der Wunde hervor, wobei sich, anders als bei Guercino; gleichzeitig die Blicke beider begegnen“ (Matthias Kunze, Daniel Seiter, München/ Berlin 2000, S. 104). Ehemals Simone Cantarini zugewiesen, gilt der „Ungläubige Thomas“ in München heute einstimmig als Werk Seiters. Eine zweite eigenhändige, leicht variierte Wiederholung mit unbekanntem Aufenthaltsort ist im Werkverzeichnis von Dr. Matthias Kunze dokumentiert (vgl. Kunze 2000, S. 103 f., Kat.-Nr. G 58 & G 59). Das vorliegende neu entdeckte Gemälde weist im Detail Unterschiede zu beiden bekannten Versionen auf und ist als weitere eigenhändige Fassung des Themas aus Seiters Turiner Zeit um das Jahr 1700 einzuordnen.
In Wien als Sohn eines kaiserlichen Hofsilberhändlers geboren, ging Daniel Seiter Ende der 1660er Jahre nach Venedig, wo er als Schüler und Werkstattmitarbeiter Johann Carl Loths arbeitete. Nach seinem von Carlo Maratta geprägten Aufenthalt in Rom in den 1680er Jahren wurde Seiter von Vittorio Amedeo II. nach Turin berufen und von ihm zum Hofmaler ernannt. Neben der Ausstattung des Ostflügels des Palazzo Reale in Turin, befinden sich heute Werke von Daniel Seiter in Kirchen in Rom, Trient und Venedig sowie in vielen großen ausländischen Museen.