Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0032

Günter Brus*

(Ardning 1938)

„Uraufführung“
1983
Farbstift, Pastell auf Papier
124,5 × 83,5 cm

€ 35.000

Günter Brus*
(Ardning/Stmk. 1938 geb.)
Uraufführung, 1983
Farbstift, Pastell auf Papier; 124,5 x 83,5 cm
Signiert und datiert rechts unten: G Brus 1983
Betitelt unten mittig

Provenienz: Galerie Heike Curtze, Düsseldorf; Galerie Lelong Zürich; Privatbesitz Schweiz

Literatur: Katalog Ausstellung "Brus Nitsch - Rainer. Tu Felix Austria", Galerie Lelong, Zürich, 1984, Kat.Nr. 105, o. Abb.

Ausstellungen: Galerie Lelong, Zürich, Jan. - März 1984; Tu Felix Austria. Grünverschlossene Botschaft, Galerie Lelong Zürich, Mai-Juli 1998, ohne Kat.

NORMALBESTEUERUNG

Sowohl was den Umfang als auch die Bandbreite anbelangt, ist das Oeuvre von Günter Brus von nicht zu unterschätzender kunsthistorischer Relevanz.
Mit seinem aktionistischen Werk, bei der er seinen eigenen Körper bis zur Grenze der Selbstzerstörung als wesentliches Medium nutzte, hat Günter Brus in den sechziger Jahren österreichische Kunstgeschichte geschrieben. Die legendäre Aktion „Kunst und Revolution“ im Jahr 1968, bekannt unter dem Namen „Uni-Ferkelei“, war der skandalöse Höhepunkt einer künstlerischen Radikalität, mit der Brus gegen das politische und gesellschaftliche Klima im katholisch geprägten, konservativen Österreich rebellierte. Wegen „Verletzung der Sittlichkeit und Schamhaftigkeit“ wurde Brus zu sechs Monaten Haft verurteilt und sah sich gezwungen, nach Berlin zu fliehen, wo er 1970 mit der letzten Aktion „Zerreißprobe“ die aktionistische Werkphase hinter sich ließ.
Ende der fünfziger Jahre hatte sich Brus zunächst mit gestisch-informellen Arbeiten beschäftigt, die sich durch eine nervöse, energische Strichführung auszeichnen. Das Papier wird hier zum Schauplatz eines extrem unruhigen, dynamischen Liniengewirrs. In seinem postaktionistischen Schaffen kehrte Brus zurück zur Grafik und fand in der medienübergreifenden Gattung der Bild-Dichtung die ihm vollkommen entsprechende Form des künstlerischen Ausdrucks. Hatte Brus während seiner aktionistischen Werkphase gesellschaftliche Normen und Grenzen gesprengt, so etablierte er sich später mit seinen Wort-Bild-Dialogen als einer der gegenwärtig wichtigsten literarisch-bildnerischen „Grenz-Überschreiter“, nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Als Zeichner und Dichter in einem begeistert er durch seine teils lyrisch getränkten, teils abstrusen, humorvollen Wort- und Textschöpfungen ebenso wie durch seinen bewegten, energischen Strich. (CMG)