Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0239

Hans Staudacher*

(St. Urban 1923 - 2021 Wien)

„Zeichen“
1990
Öl auf Leinwand
70 × 100 cm

€ 18.000

Hans Staudacher*
(St. Urban 1923 geb.)
Zeichen, 1990
Öl auf Leinwand; 70 x 100 cm
Signiert links unten Mitte: Staudacher
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: "Zeichen"

„Ich wollte so gerne fliegen, über den Lüften, frei, losgelöst; fliegen, aber nie ankommen.“ (Hans Staudacher)

Ich wollte so gerne fliegen, über den Lüften, frei, losgelöst; fliegen, aber nie ankommen.“ (Hans Staudacher)
Hans Staudacher gilt als der konsequenteste Vertreter der gestischen Abstraktion in der österreichischen Kunst. Nach einer frühen Phase von flächig konstruktiven Bildern sprengte Staudacher in den frühen fünfziger Jahren bisherige Bildregeln und wandte sich einem spontan gestischen, informellen Bildvokabular zu, das seinem malerischen Temperament eher entsprach.
Während zahlreicher Aufenthalte in Paris setzte sich Staudacher intensiv mit dem Schaffen von George Mathieu und der künstlerischen Bewegung des Tachismus sowie lettristischen Bildströmungen auseinander: im Aspekt der Verbindung von Bild und Schrift, dem er in den Werken der Pariser Avantgarde begegnete, fand er entscheidende künstlerische Impulse. Als Autodidakt wusste er die Anregungen jedoch sehr eigenständig in seine intuitiv gestische Malerei zu integrieren und eine genuine Handschrift zu entwickeln, die in der österreichischen Kunst eine singuläre Position darstellt.
Neben zahlreichen Ausstellungen im Inland wurden und werden Staudachers Werke immer wieder auch im Ausland gezeigt: 1956 war Staudacher mit acht Bildern Repräsentant Österreichs auf der Biennale in Venedig. 1975 war er auf der Biennale in Sao Paulo vertreten, 1994 etwa im Museum für Moderne Kunst in Bozen. Staudachers Oeuvre wurde mit vielen Auszeichnungen gewürdigt, darunter 1965 der Hauptpreis auf der Biennale von Tokio. (CMG)

Hans Staudachers Bilder sind reich an Spannungsmomenten, sie sind voller Dissonanzen, aber auch Harmonien, sie kommen gestischen Explosionen gleich und bieten doch auch emotionale Ruhepole, geordnete skripturale Setzungen stehen neben eruptiven Notationen und spontanen Korrekturen. Er selbst hat sein malerisches Anliegen ebenso schön wie präzise umschrieben:
„ meine malerei ist handschrift, farbe, tanz, spiel, zeichen, einfall, zufall, rede, wort, bewegung, geschwindigkeit, überfluss. Sie ist unübertragbar, für viele nicht zu verstehen, sie ist übermut – und das deshalb, weil sie macht hat, sie gibt zuviel, so zuviel, dass sie sich selbst oft tötet. Man kann erklären, was dem vorausgeht, wenn man daran denkt, dass man als künstler nicht zulässt, dass jenseits seiner erfahrung die relativität aller ausdrücke – allgemeine wie individuelle – existiert, es ist so vieles getötet worden durch die geschwätze der letzten jahrzehnte, weil die innere stimme und der blick nichts mehr wahrnahmen. Dem entgegen will ich beginnen eine immer neue malerei und poesie. Es ist jene der physischen werte und worte – und seiner mimen, bewegungen, spiele, theater, gesänge und geschwindigkeiten allein. Das ist auch dasjenige, was in unserer zeit seinen pulsierenden platz behält, seinen ort ohne wesentliche dimensionen, seine innere freiheit, die versteht, dass es unnütz ist zu sprechen, zu erzählen oder zu beschreiben, und deshalb werde ich als malerpoet alles anbringen auf leinwände, eisen, holz, papier – auf häute, leder, steine – auf stoff und luft. Ich werde meine schreie mit euch gleichdenkenden schöpferischen stinktieren – gegenseitig inspiriert – vereinen zu einer stummen macht. Malerei und poesie erzählt dann nicht mehr, sie handelt!“ (Hans Staudacher, zitiert nach Dieter Ronte, 1990)
(CMG)