Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0045

Mario Dalpra*

(Feldkirch 1960)

„o. T.“
2009
Asiatische Ulme, Acryl
H. 90 cm

€ 5.500

Mario Dalpra*
(Feldkirch 1960 geb.)

o. T., 2009
Asiatische Ulme, Acryl; H. 90 cm

Von allen Materialien, die Bildhauer verwenden, sind Holz, Stein, Bronze und Eisen die edelsten. Sie sind allesamt alte, organische Werkstoffe, kommen in der Natur vor und bestimmen die Kunstgeschichte durch alle Perioden. Um sie in der Kunst zu verwenden, müssen sie in werkgerechter Form gewonnen und vorbereitet werden, wobei im künstlerischen Akt selbst für die beiden erst genannten Materialien das Prinzip des Minimierens gilt: um zur gewünschten Form zu gelangen, werden überlegt ausgewählte Holzstämme und Steine geschlagen, abgebaut, zugeschnitten und entsprechend bearbeitet, in ihrem Volumen und Gewicht verringert und in zumeist langwierigen Arbeitsprozessen in jene Form gebracht, die der Bildhauer als fertig und vollendet aus der Hand gibt.

Hartes Holz, wie es der vielseitige Mario Dalpra in Form der Asiatischen Buche vorrangig für seine um 2009 in größerer Zahl entstandenen Plastiken verwendet, verbindet nicht nur Schwere mit Dichte, sondern verströmt weit über die Zeit des Zuschnitts und der Bearbeitung der Plastik hinaus auch ein spezielles exotisches Aroma. Letzteres verweist nicht nur auf das Herkunftsland des Materials, sondern oft auch auf Werkstätten und Entstehungsorte in Indonesien und Indien.

Die zumeist mit Schwarz auf Gelb (wie in unserem Beispiel) oder mit Weiß auf Schwarz bemalten Arbeiten huldigen einem Umkehrprinzip, wie man es zwar von der Collage, aber kaum von der Bildhauerei bzw. Plastik her kennt. Dalpra zersägt bereits fertig gestellte Plastiken in diverse Teile und setzt diese anschließend ähnlich einer Collage im Raum neuartig und mit offensichtlichem Esprit zusammen.
Arnulf Rainer übermalt in der Regel fertige Vorlagen, Jiri Kolar zerschneidet gedruckte Bilder, Photos oder alte Stiche, um daraus Collagen zu machen, während im Unterschied dazu Mario Dalpra erst in einem zweiten Durchgang, zeitverzögert und von neuen Vorstellungen begleitet, die Erstfassung seiner Plastiken zerlegt, radikal filetiert, um deren Wiederbelebung abschließend ebenso frei und scheinbar unbekümmert wie mit Humor und methodischem Sarkasmus als neue "Wesen", stilisiert zusammengesetzt, in Erscheinung treten zu lassen.

Bei vielem, was Dalpra macht, wirkt die doppelbödige Pop Art eines Jeff Koons als Mainstream im Hintergrund. Sie stimuliert sein Verhalten ebenso wie das vieler anderer Zeitgenossen, schränkt allerdings weder seine stilbildende Absicht, noch auch die zumeist leisere, wie in unserem Beispiel zu sehen ist, stärker poetische, burschikos und unbekümmert wirkende Art der bildnerischen Umsetzung keineswegs ein.

Davon nicht abhängig, doch in deutlicher Sympathie zu dem, was Zeitgeist und Modetrends in der Gegenwartskunst für sich beanspruchen, verfolgt Dalpra - wie die Phalanx derartiger Holzarbeiten zeigt - einen Weg, der entgegen den Attitüden der Machart, die nicht unterschätzt werden sollte, für Künstler wie Publikum riskant und herausfordernd ist.

Mit Reverenz an den Raum, den eine ausflippende "Rundplastik" wie die hier angebotene beansprucht, erfüllt Dalpra in den hier zur Diskussion stehenden Werkbeispielen dennoch klassische Kriterien der Kunst. Er pendelt geschickt zwischen Statik und Bewegung, nützt trickreich und innovativ das vielgestaltige Vabanquespiel der zu einander gefügten, ineinander ge- und versteckten Holzteile und weiß offensichtlich ziemlich genau, wo seine Plastiken Durchblicke und Freiräume benötigen, um in ihrer figürlichen Ambivalenz vom Boden abheben zu können ohne diesen unter den Füßen zu verlieren.
(Peter Baum)