Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. März 2012

0035

Günter Brus*

(Ardning 1938)

„Mallorca“
1960er Jahre
Kohle auf Packpapier
110 × 98 cm

€ 20.000 - 40.000

Günter Brus*
(Ardning/Stmk. 1938 geb.)

Mallorca
Kohle auf Packpapier
110 x 98 cm
1960

1959 besucht Günter Brus die XXX. Biennale in Venedig, auf der er internationale Positionen der informellen und abstrakt expressionistischen Malerei kennenlernt. Er lässt sich auch von den Abbildungen abstrakter Kunst im Katalog der documenta II inspirieren und schafft in der Folge seine „Aktionsmalereien“. Sein Künstlerfreund Alfons Schilling nennt sie »totale Malereien«, jenseits des traditionellen Kompositionsbegriffs. Auf ungrundiertem Packpapier, das Brus an den Wänden und Böden seines Arbeitszimmers aufspannt, malt und zeichnet der Künstler mit gesteigertem körperlichem Einsatz. »Vor allem ist es mir schon immer seltsam vorgekommen, dass man nicht mit beiden Händen zugleich malt. Ja, wenn ich schon technisch so eingekerkert bin, dass ich nicht mit Haar, Bauch oder Hintern malen kann, meine zweite Hand jedoch, was ist mit ihr. Man muss leben in der Malerei. Rundherum Malerei. (…) Eine räumliche Unfassbarkeit – zumindest von der Tradition nicht fassbar, das verlange ich von meinen Bildern. Die vollkommenste Abkehr vom Zentralpunkt im Bild (…) Solange das verdammte Zentrum nicht ausgeschaltet ist, ist kein Fortschritt da.«
Das vorliegende Blatt zeugt noch von einer konstruktiven Note im Strich. Die gestische Spur ist an die Form gebunden. Der Kohlestift bezeichnet kubische Formen, die in ihrer tektonischen Zusammenstellung an Skulptural-Figuratives erinnert. Hierbei ergeben sich verwandte Züge zu den plastisch postkubistischen Arbeiten von Fritz Wotruba, sowie den frühen Werkbeispielen der 1950er Jahre von Rainer, Prachensky, Mikl und Hollegha, den Pionieren der österreichischen informellen Kunst, auf der in der Folge Brus’ „Aktionsmalereien“ auch fußen.
(Florian Steininger)