Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. März 2012

0177

Hermann Nitsch*

(Wien 1938)

„Schüttbild“
1983
Öl auf Jute
104 × 80 cm

€ 22.000

Hermann Nitsch*
(Wien 1938 geb.)
Schüttbild
Öl auf Jute
104 x 80 cm
1983
Signiert und datiert rückseitig am Keilrahmen: Hermann Nitsch 1983

„Hermann Nitsch geht es um das extreme Ausloten der Kräfte und Erfahrungen, die das Phänomen Kunst und deren existentielle Bedeutung ausmachen. In seinem O. M. Theater versucht er es im Sinne eines orgiastischen, Akteure und Publikum weitgehend miteinander verbindenden Gesamtkunstwerks, das in erhöhter Archaik elementar an derartige Absichten bei Richard Wagner, Anton Bruckner und den grenzüberschreitenden Happenings der sechziger Jahre anschließt, in seiner sinnlichen Herausforderung und Unmittelbarkeit jedoch über diese hinausgeht. (…)
Es ist nicht barocker Überschwang, den man der Malerei von Hermann Nitsch attestieren kann, sondern vielmehr exzessive Askese, die – denkbar intensiv – in direkter Abhängigkeit von Malmaterial und künstlerischem Vorgang seine Gemälde kennzeichnet.
Kunst bedeutet Erschütterung und Katharsis. Auch diese Erkenntnis gilt für Nitsch, der von seinem Publikum eher zuviel als zuwenig verlangt und ‚aus einem heißen Herzen’ heraus, wie es Wieland Schmied einmal so treffend charakterisierte, eine Welt missioniert, die schlecht, aber nicht die schlechteste ist.
Die bildnerische Praxis fußt auf Erkenntnis und Philosophie, der Weltentwurf von Hermann Nitsch bekennt sich ausdrücklich zur Dimension des Religiösen und der Existenz des Göttlichen, zeigt sich jedoch reserviert gegenüber dem Alleinvertretungsanspruch und der Unfreiheit der Konfessionen.
Es ist nicht Pessimismus, der die Welt des Hermann Nitsch kennzeichnet, sondern Realismus in der gesamten Spannweite menschlicher Empfindungen, Ahnungen und Erkenntnisse.“
(Peter Baum, in: Auss.-Kat. Hermann Nitsch, Neue Galerie der Stadt Linz, 1997)