Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

28. September 2010

0017

Jan van Goyen

(Leiden 1596 - 1656 Den Haag)

„Große Wassermühle“
1650
Öl auf Holz
44 × 50 cm

Schätzpreis: € 60.000 - 100.000
Ergebnis: € 100.000
Auktion ist beendet.

Jan van Goyen
(Leiden 1596-1656 Den Haag)
Große Wassermühle
Öl auf Holz
44 × 50 cm
Signiert und datiert rechts unten: VGoyen (VG in Ligatur) 1650
Rückseitig Reste eines alten Klebeetiketts mit Verweis auf die Sammlung Comte Fernand Marescalchi.
Gutachten Hans Ulrich Beck, Augsburg, den 29. September 1983, liegt bei.
Literatur: H.-U. Beck, Jan van Goyen. Ein Oeuvreverzeichnis, Bd. III, Ergänzungen zum Katalog der Handzeichnungen und
Ergänzungen zum Katalog der Gemälde, Doornspijk 1987, S. 275, Nr. 1157A (mit Abb.)
Provenienz: Sammlung Comte Fernand Marescalchi; Kunsthandel, Paris; 1983 Galerie Sanct Lucas, Wien (Kat. Winter 1983/84 Nr. 13, mit Abb.); Österreichischer Privatbesitz

Jan van Goyen gilt neben Salomon van Ruysdael als der bedeutendste Vertreter der sogenannten „tonalen Landschaftsmalerei“ des 17. Jahrhunderts. Hatte er zunächst noch im Stile seines Lehrers Esaias van de Velde mit einer starken Farbigkeit und erzählerischen Figurendarstellungen gearbeitet, entwickelte van Goyen ab den späten 1620er Jahren seinen eigenen Stil mit einer einheitlicheren Farbgebung und vereinfachter Komposition. Ab den 1640er Jahre schließlich beschränkt er seine Palette auf monochrome Braun-, Grau- und Ockertöne, die in einer reduzierten Komposition die Stimmung von Licht und Luft beschreiben.

In einer Dünenlandschaft mit kargem Baumbewuchs steht eine mit Reetdach gedeckte große Wassermühle. Die Konstruktion des Wasserrades, welches im Vordergrund am Gewässer steht, ist naturgetreu wiedergegeben. Neben dem Müller, der mit einem Eimer in der Hand zum Wasser hinab steigt, ist in der Bildmitte links neben der Mühle ein arbeitendes Figurenpaar mit einem Hund zu erkennen.
Indem Ruisdael den Mühlenkomplex diagonal gegen die waagrechten Streifen des Gewässers und des tiefliegenden Horizonts setzt, schafft er eine spannungsreiche Tiefe. Der Eindruck der Weite des flachen Landes wird von den sich in der
Dünenlandschaft entfernenden Reitern noch verstärkt.

Über den Himmel ziehen geballte Wolken, durch welche immer wieder leicht der dahinterliegende blaue Himmel durchzublicken scheint. In der Mitte des oberen Bildrandes scheint die Sonne im Kampf gegen die Wolken für einen kurzen Moment einen Sieg errungen zu haben. Komprimierte Sonnenstrahlen beleuchten den vorderen Landstreifen in warmem Licht. Tänzelnde Lichtpunkte – erzeugt durch gezielte Weißhöhungen – beleben das Mühlengebäude und lassen den über das Mühlrad laufenden Wasserstrahl sichtbar werden.

Wie auch Hans Ulrich Beck in seinem Gutachten hervorhebt, handelt es sich bei dem Gemälde um ein „für seine
Entstehungszeit in Komposition und Farbgebung besonders charakteristisches Werk“ Jan van Goyens. 1650 datiert stellt es ein herausragendes Beispiel für die voll ausgereifte Stufe der tonalen Landschaft dar.