Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

20. Juni 2023, 14:00 Uhr

2017

Lucas Cranach der Ältere Werkstatt

(Kronach 1472 - 1553 Weimar)

„Madonna mit Kind und Johannesknaben“
um 1520/30
Öl auf Holz; gerahmt
60,5 x 38,5 cm

Provenienz

wohl ehemals deutscher Adelsbesitz (siehe Wappen: möglicherweise Familie von Berlichingen);
österreichischer Privatbesitz

Wir danken Prof. Dr. Gunnar Heydenreich, Köln, für seine Hilfe bei der Katalogisierung.

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000
Auktion ist beendet.

Lucas Cranach der Ältere gilt neben Albrecht Dürer im deutschsprachigen Raum als der führende Künstler Anfang des 16. Jahrhunderts. Nach seiner Lehrzeit und einigen Wanderjahren wird Cranach dokumentarisch um 1500 in Wien, als Zentrum des Kaiserreiches, erstmals fassbar. Kurz später wurde er vom sächsischen Kurfürsten, Friedrich dem Weisen von Sachsen (1463-1525) nach Wittenberg als Hofmaler berufen. In diesem stürmischen Mittelpunkt der Reformation sollte er eine über alle Grenzen hinweg erfolgreiche Werkstatt etablieren und zeitlebens seine herausragende Meisterschaft beweisen.
Mariendarstellungen zählten zu den gefragtesten Sujets Cranachs. Denn trotz seiner Freundschaft zu Martin Luther und bildprägender Unterstützung der neuen protestantischen Ikonographie, erhielt er trotzdem weiterhin Aufträge von katholischer Seite. So ist bis heute eine der bekanntesten und meist verbreitetsten Cranach-Kompositionen das ebenfalls Maria mit Kind zeigende „Gnadenbild Mariahilf“ – heute am Hochaltar des Innsbrucker Doms beheimatet.

Vorliegendes Gemälde zeigt die Madonna mit rotblondem, offenem Haar hinter einer Brüstung. Über ihrem roten Gewand scheint der azurblaue Mantel gefüttert mit einem Innenfutter aus grünem Samt, welcher sich in dem als Gürtel dienenden Tuch wiederzufinden scheint. Auf der steinernen Brüstung präsentiert sie vorsichtig stützend das nur mit einem angedeuteten Schleier bedeckte Jesuskind und den in Fellgewand gekleideten Johannesknaben.
Die vorbereitende, mit einem flüssigen schwarzen Zeichenmedium und Pinsel ausgeführte Unterzeichnung auf vorliegendem Gemälde ist mit frei gezeichneten geschwungenen Linienzügen umrissen. Es zeigen sich leichte Abweichungen zwischen Unterzeichnung und der letztendlichen Darstellung (beispielsweise in den Füßen des Johannesknaben). Dies zeugt neben der gesamten malerischen Ausführung von der charakteristischen Werkstattpraxis Lucas Cranach des Älteren.
In der Röntgenaufnahme des Gemäldes sind links oben ein Wappen und eine Inschrift erkennbar. Diese befinden sich wohl auf der Rückseite des originalen Bildträgers angebracht, welcher jedoch später durch eine weitere Holztafel verdeckt wurde. Das mehrspeichige Rad und die Anlage des Wappens könnten möglicherweise für die Identifizierung als jenes der Familie von Berlichingen sprechen.