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Auktion: Alte Meister

28. Juni 2022, 15:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0001

Florentiner Meister (Antonio Veneziano ?)

„Der Heilige Andreas“
um 1370-1380
Tempera und Gold auf Holz
46 x 26 cm

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für die wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung (ausführliches Schreiben von Prof. Dr. Gaudenz Freuler, Zürich, April 2022, liegt bei).

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Ergebnis: € 22.000
Auktion ist beendet.

Die vorliegende Tafel zeigt die Halbfigur des bärtigen und weißhaarigen Apostels Andreas, welcher durch das Kreuz, Symbol seines Martyriums, in seiner Rechten und das Evangelium in seiner anderen Hand identifiziert wird. Die Komposition verweist darauf, dass das Werk – seiner Entstehungszeit entsprechend – Teil eines Altarensembles war und der Heilige seinen Blick auf die Mitteltafel, vermutlich eine Madonna mit Kind, gerichtet hatte.
Das Gemälde ist stilistisch und zeitlich in die Tradition der aus Maso di Banco und Bernardo Daddi hervorgegangenen florentinischen Malergeneration, tätig zwischen 1350-1375, zu verorten – zu nennen sind hier Giottino, Giovanni da Milano oder die Brüder Andrea und Nardo di Cione. Die Figur steht beispielsweise dem Kopf eines greisen Bischofs aus Giottinos Beweinung Christi aus San Remigio in Florenz (um 1350, Florenz, Uffizien) oder einem Apostel aus Giovanni da Milanos Tafel in der Galleria Sabauda in Turin (um 1365-1369) nahe.
Auch wenn spätere Veränderungen, wie beispielsweise die Hinzufügung des oberen Rundbogens und Restaurierungen (wohl aus dem 19. Jahrhundert), die Bestimmung einer konkreten Künstlerhand heute erschweren, verweist Prof. Gaudenz Freuler auf eine mögliche Zuschreibung an Antonio Veneziano. Die Vermutung wird unterstützt angesichts der punzierten Nimbendekoration des Heiligen, die sich präzise mit der Praxis des zu dieser Zeit und später in Florenz wirkenden Antonio Veneziano verbindet. Das Innere des Heiligenscheins besteht aus einer von Rosetten unterbrochenen Blattranke, in der Art wie sie für die Nimbendekoration bereits Jahrzehnte früher im Œuvre des Bernardo Daddi (z.B. Madonna der Himmelfahrt, um 1336/38, Metropolitan Museum, New York) auf ähnliche Weise vorgebildet ist. Eingefasst wird das breite Ornamentband weiter von zwei mit dem Stichel gepunkteten Reifen, wobei entlang des äußersten Rings peripherisch noch ein weiterer mit jeweils einer gestichelten Dreierkonfiguration zu erkennen ist. Diese Anordnung findet sich auf verblüffend analoge Weise in Antonio Venezianos Madonna mit Kind im Museum of Fine Arts in Boston und in etwas modifizierter Form auf zwei Tafeln mit den Heiligen Jakobus Maior und Maria Magdalena desselben Malers in der Pinacoteca Vaticana in Rom (vgl. Prof. Gaudenz Freuler, Zürich, April 2022).