Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

09. März 2022

2048

Willy Eisenschitz*

(Wien 1889 - 1974 Paris)

„Weiblicher Akt“
1931
Öl auf Leinwand
130 x 97 cm
Signiert und datiert links unten: W. Eisenschitz 1931
Rückseitig auf Leinwand bezeichnet: Willi / Eisenschitz / 8 r de Tourno / 3 toiles

Provenienz

österreichischer Privatbesitz;
Auktionshaus im Kinsky, 26.11.2013, Nr. 525;
österreichische Privatsammlung

Literatur

Jean Perreau, Willy Eisenschitz 1889-1974, Edition Schütz, Linz 1999, WV-Nr. H 302, Abb. S. 222

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 30.000
Auktion ist beendet.

Willy Eisenschitz wurde 1889 als Sohn einer gutbürgerlichen jüdischen Familie in Wien geboren. Schon früh zeigte er Interesse an der Kunst. Sein Vater, ein Anwalt stand den künstlerischen Plänen eher skeptisch gegenüber. Nichtsdestotrotz begann Eisenschitz 1911 ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Begeistert vom Impressionismus und den internationalen Strömungen, zog es ihn 1912 in die Kunstmetropole Paris, wo er sein Studium an der renommierten Académie de la Grande Chaumière fortsetzte. Hier lernte er seine zukünftige Ehefrau, die Malerin Claire Bertrand kennen. Die Liebe war so groß, dass sie ihm während des Ersten Weltkriegs freiwillig in ein Internierungslager folgte. Nach Kriegsende erkrankte Eisenschitz an Tuberkulose. In den Schweizer Bergen in Luzern fand er neue Kraft. 1920 kehrte er nach Paris zurück. Obwohl für Eisenschitz Frankreich zur neuen Heimat wurde, verlor er nie den Blick nach Österreich. Mit Künstlern wie Josef Floch und Viktor Tischler stand er im Austausch.

Eine Reise nach Menton 1921 wurde für Eisenschitz zum künstlerischen Schlüsselerlebnis. Fasziniert vom intensiven Licht- und Farbenspiel der südfranzösischen Provence, entdeckte er die freie Natur für sich. Farbenfrohe Landschaftsbilder im expressiven Duktus bestimmten nun sein künstlerisches Schaffen. Studienreisen nach Italien, Spanien und Afrika bestärken sein anhaltendes Interesse an der Landschaft als poetisches Bildmotiv. 1924 stellte er gemeinsam mit seiner Frau in der renommierten Galerie Berthe Weill aus, die internationale Künstler wie Picasso und Modigliani präsentierte. Während des Zweiten Weltkriegs zog das Ehepaar in den Luftkurort Dieulefit, der zur Zuflucht von Künstlern und Intellektuellen wie Pierre Jean Jouve und Emmanuel Mounier wurde. Nach dem Tod seiner Frau 1969 übersiedelte Eisenschitz zurück nach Paris, wo er bis zu seinem Tod 1974 künstlerisch aktiv war.

Das Ölbild "Weiblicher Akt" von 1931 gehört zu einer exquisiten Reihe von Akten, die der Künstler in seinem Werk vereint. Als Modell hatte ihm wohl seine Ehefrau Claire Bertrand gedient, die ihm auch Muse war. Spannung entsteht durch den diagonalen Bildaufbau, der die plastische Figur vor dem abstrahierenden Hintergrund in Szene setzt. Warme Gelb- und Orangetöne auf herausragenden Körperpartien stehen dabei im Kontrast zu kühlen Grün- und Blautönen. Das Sujet vereint Impressionismus und Expressionismus auf raffinierte Weise und offenbart Eisenschitzs starkes Interesse für die französische Avantgarde von Degas bis Renoir bis zu den Fauves.
(Stefan Üner)