Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juli 2021, 17:00 Uhr

2311

Hubert Scheibl*

(Gmunden 1952)

„Red Run“
2011
Öl auf Leinwand; ungerahmt
95 x 79 cm
Rückseitig bezeichnet, signiert und datiert: "red run" Hubert Scheibl 2011

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Schätzpreis: € 12.000 - 20.000
Ergebnis: € 20.000
Auktion ist beendet.

„Ich beginne mit dem Blick auf die leere Leinwand und setze zunächst Impulse, die ich anschließend zu verdichten versuche“, erklärt Hubert Scheibl den Beginn des Malprozesses (https://www.belvedere.at/sites/default/files/jart-files/PM-Scheibl-de.pdf, zugegriffen am 23.5.2021). Jeder trägt diese Impulse in sich und man muss ihnen weitgehend freie Hand lassen, eine genaue Planung, eine Absicht allein wird nicht zum Ziel führen. Ein gutes Bild wird auch vom Zufall, von der spontanen Eingebung bestimmt. Als Inspiration dienen dem Künstler Filme, Literatur und Musik. Letztere übt er selbst aktiv als Mitglied der Band „Graf Hadik und die Flughunde“ aus. Gemeinsam sind Musik und Malerei das Agieren in einem nonverbalen Bereich, in beiden Genres begibt sich der Künstler auf die Suche nach dem „evolutionären Urstrom“ (s.o.). Die Malerei wird so zu einem „Fenster zu einer anderen Realität“ (Hubert Scheibl anlässlich der Ausstellung „Plants & Murders“, Museum der Moderne in Salzburg, 2013, https://www.youtube.com/watch?v=gBa2yZVfL-A, zugegriffen am 23.5.2021).

Mystische Farbnebel in unterschiedlichen Rottönen ziehen über die Leinwand, in mehreren Ebenen miteinander verschränkt, lassen sie Tiefe erahnen. Dunkle Schattenzonen kontrastieren mit Lichtpartien, die durch die unerhörte Leuchtkraft hellerer Farbzonen gebildet werden. Sie erinnern an die magischen Polarlichter, die geheimnisvoll über den Himmel ziehen und in früheren Kulturen als Zeichen nahender Vorkommnisse und Botschaften der Götter gedeutet wurden. „Red Run“, der Titel des Bildes, verweist auf den Film „Ran“ von Akira Kurosawa, einem der einflussreichsten Filmemacher, weit über die Grenzen seiner Heimat Japan hinaus. In Anlehnung an die großen Tragödien William Shakespeares – König Lear und Hamlet – beschreibt Kurosawa den Fall des Hidetora Ichimonji, dessen Reich nach der Übergabe an seine drei Söhne durch deren Intrigen und Kämpfe zerfällt.

Hubert Scheibls Bilder reflektieren eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit unserer Welt. Diese Sensibilität überträgt der Künstler in seine Bilder. Er versucht Denkprozesse in Gang zu setzen, zwingt uns zu Perspektivenwechseln, denn seine Arbeiten können auf kurze, aber auch auf weite Distanzen eine ganz eigene Wirkung entfalten. Es geht ihm immer auch „um das Spiel zwischen Nähe und Ferne, Intimität und Öffentlichkeit“ (Hubert Scheibl auf: https://www.belvedere.at/sites/default/files/jart-files/PM-Scheibl-de.pdf, zugegriffen am 23.5.2021).

(Sophie Cieslar)