Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Juli 2021, 14:00 Uhr

2003

Gustav Klimt

(Wien 1862 - 1918 Wien)

„Weibliche Gestalt in langem Gewand, Studie für "Weltliche und kirchliche Musik"“
1896
Schwarze Kreide auf Papier
45,4 x 31,8 cm
Verso von Hermine Klimt bestätigt: Nachlaß meines Bruders Gustav. Hermine Klimt
Verso Studie zu einer sitzenden Gewandfigur

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers;
Serge Sabarsky Gallery, New York;
Shepherd Gallery, New York;
Galerie Ariadne Wien;
Privatsammlung, Norddeutschland;
Ketterer Kunst München, 27.04.2012, Nr. 600;
Privatbesitz, Österreich

Ausstellung

1972 München, Galerie Arnoldi-Livie, Gustav Klimt, Nr. 11 (ohne Katalog)

Literatur

Gustav Klimt one hundred drawings with an introduction by A. Werner, New York 1972, Nr. 6 (Abb.);
Alice Strobl, Gustav Klimt, Die Zeichnungen 1878-1903, Band I, Salzburg 1980, WV-Nr. 285, Abb. S. 99

Dr. Marian Bisanz-Prakken (Albertina, Wien) wird die rückseitige Studie in den Ergänzungsband zu dem von Alice Strobl publizierten Werkverzeichnis der Zeichnungen von Gustav Klimt aufnehmen.

 € 32.000

Wie Alice Strobl aufdecken konnte, entstand die zarte Studie einer musizierenden, mit langem Gewand bekleideten Gestalt im Zusammenhang mit einer 1896 entstandenen Allegorie der weltlichen und der kirchlichen Musik. Diese als Aquarell ausgeführte Arbeit befand sich in der Albertina, ging jedoch zusammen mit zwei relevanten Skizzen nach 1920 verloren; von keinem dieser Werke sind uns Abbildungen bekannt (Strobl, Bd. I, S. 92; die drei Blätter sind im Inventar der aus der Albertina ausgeschiedenen und 1920 Erzherzog Friedrich abgetretenen Werke angeführt.). Eine Reihe von kleinen Entwurfsskizzen zur Allegorie, die sich auf den Rückseiten von einigen Figurenstudien befinden, führen aber vor, welche Überlegungen Klimt zu den beiden Personifikationen angestellt hat (Ebenda, Nr. 282a -283). Die weltliche Musik tritt als antike Gewandfigur in Erscheinung und spielt ein großes Saiteninstrument; die stehende Frontalgestalt der kirchlichen Musik zeigt sich mit einem Nimbus.
In der vorliegenden Studie konzentriert Klimt sich auf die musizierenden Hände und auf das seitwärts geneigte, verträumt blickende Antlitz; das Instrument deutet er nur in den Grundzügen an. Die geheimnisvolle Art, in der die statische, ab den Knien sichtbare Figur aus dem dicht schraffierten Hintergrund auftaucht, verweist auf Klimts intensive Auseinandersetzung mit dem Symbolismus, insbesondere mit den Werken des Belgiers Fernand Khnopff. Letzterer sollte in den ersten Ausstellungen der 1897 gegründeten Secession große Erfolge feiern. Mit dem Motiv der altgriechisch inspirierten, musizierenden Gestalt hat Klimt sich bis zur berühmten „Poesie“ im „Beethovenfries" (1901/02) wiederholt befasst. Letztere spielt eine Kithara, ein großes Saiteninstrument, das Klimt auch seiner Gestalt der „weltlichen Musik“ bereits in die Hände gelegt haben mag.
(Marian Bisanz-Prakken)