Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

04. Mai 2021, 16:00 Uhr

0015

Wolfgang Hutter*

(Wien 1928 - 2014 Wien)

„Die Promenade“
1950
Öl auf Holz
36,7 x 50,1 cm
Rückseitig altes Etikett Carnegie Institute, Pittsburgh mit Titel: "The Promenade"
Rückseitig bemalt

Provenienz

amerikanischer Privatbesitz;
österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

1950 Pittsburgh, Carnegie Institute, Pittsburgh International Exhibition of Paintings, 19. Oktober - 21. Dezember 1950, Nr. 290

€ 20.000

Wolfgang Hutter ist gemeinsam mit Arik Brauer, Ernst Fuchs, Helmut Leherb und Anton Lehmden Begründer der Wiener Schule des phantastischen Realismus. Ihr Mentor ist Albert Paris Gütersloh, in dessen Klasse an der Akademie der bildenden Künste in Wien die Keimzelle dieser für die Nachkriegszeit so wichtigen Strömung ihren Ausgang findet.

Die jungen Künstler fühlen sich angezogen von der technischen Perfektion der Alten Meister. Die Malerei der beiden Pieter Bruegels, sowie Hieronymus Boschs bietet mit ihren detailreichen, oft bizarren Kompositionen zahlreiche Anregungen. Aber auch der französische Surrealismus ist eine wesentliche Inspirationsquelle.

„Die Promenade“ ist 1950 im letzten Studienjahr Wolfgang Hutters entstanden und wurde im selben Jahr auf der Carnegie International in Pittsburgh gezeigt. 1896 gegründet, ist diese eine der ältesten internationalen Kunstmessen weltweit und entwickelt sich in den 1950er Jahren zu der einflussreichsten Kunstschau der Avantgarde im amerikanischen Raum.

Wolfgang Hutter entführt uns in eine geheime Welt der Symbole, die er wie auf einer Bühne arrangiert. „Er baut seine eigene, penetrant ‚künstliche‘ Szenerie auf, die wie aus Plastik und Papiermaché, aus Marmorschiff und Krepp-Papier, aus Bändern und Perlen gemacht ist.“ (Johann Muschik, Die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, Wien-München 1974, S. 76) Hutter selbst sieht seine Bilder als einen „Bericht aus einer Welt, deren Existenz uns bisher unbekannt geblieben ist“ (Agnes Husslein-Arco (Hg.), Phantastischer Realismus, Ausstellungskatalog, Belvedere, Wien 2008, S. 27).

Mehrere Schiffe sind auf einem hochaufragenden Felsen gestrandet, der das Zentrum des Bildes einnimmt. Eine steinerne Frauenfigur am Fuß des Berges erinnert an Monumente längst vergangener Zeiten. Eigentümliche Riesenpflanzen blühen in der kargen, steinigen Landschaft, die an Kompositionen des großen Surrealisten Salvador Dalí erinnert. Eine große Echse ist in Richtung des elegant gewandeten Paares unterwegs, das barfuß unter einem Sonnenschirm in dieser unwirklichen Szenerie promeniert. Die schöne junge Frau im kunstvoll gerafften Gewand ist eines jener zarten, wunderschönen „Huttermädchen“ (Brauer Fuchs Hausner Hutter Lehmden, Ausstellungskatalog, Künstlerhaus Wien, Wien 1990, S. 234), die die Bilder des Malers einzigartig und unverkennbar machen.
(Sophie Cieslar)