Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. Juni 2020, 14:00 Uhr

1354

Rudolf Wacker

(1893, Bregenz - 1939, Bregenz)

„Föhn“
1927
Öl auf Karton
46 x 60 cm
Monogrammiert und datiert links unten: RW / 27
Rückseitig auf Karton eigenhändig bezeichnet: B 60 H 46 / R. Wacker / Bregenz 1927 / "Föhn"

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Max Haller, Rudolf Wacker 1893 - 1939. Biografie mit dem Oeuvre-Katalog des malerischen Werkes, Lustenau 1971, WV-Nr. 75 (ohne Abb.)

€ 110.000

"Wieder eine Woche täglich draußen gemalt. Die letzten Herbsttage. Ich genieße sie malend ehe mich das Atelier für diesen Winter einsperrt." (Rudolf Wacker, Tagebuchnotiz, 6.10.1927, in: Rudolf Sagmeister (Hg.), Rudolf Wacker. Tagebücher 1919-1939, Bd. 2, Vaduz 1990, S. 529)

Mit gekonnt gesetzten Pinselstrichen hat Rudolf Wacker in dem 1927 entstandenen Werk "Föhn" das Farbenspiel und die stimmungsvolle Atmosphäre der vor ihm liegenden Seelandschaft mit ihren Fischerhütten und Booten eingefangen.

Der Bodensee mit seinen Uferlandschaften im Wechsel der Jahreszeiten – ein immer wiederkehrendes, in zahlreichen Ölstudien und Gemälden festgehaltenes Motiv, das verdeutlicht, welchen besonderen Stellenwert die vertraute Landschaft der Heimat in Wackers Oeuvre bzw. Leben einnahm. Das Malen im Freien bot dem Künstler nicht nur die Möglichkeit, der Arbeit im Atelier zu entfliehen, sondern zumindest für einen kurzen Moment auch die Erlebnisse der mehrjährigen Kriegsgefangenschaft, die Ängste und Sorgen des Alltags hinter sich zu lassen (vgl. Ausstellungskatalog Bregenzer Kunstverein, Kunsthaus Bregenz 1993, S. 182-185).
Vor allem in den späten dreißiger Jahren, als sich die politische Lage verschärfte und Rudolf Wacker zunehmend in Bedrängnis geriet, wandte er sich verstärkt der Natur und dem stimmungsvollen Landschaftsmotiv zu - wohl wissend, dass "[...] wir selbst [...] nicht mehr in der Idylle sein [können]. Wir stellen sie noch fest, in irgendeinem Winkel, als Rest, als Vergehendes, Vergangenes, - mit einer Spur von Traurigkeit im Herzen, mit etwas Spott im Kopfe, mit Sinnen, die darüber weg in die Ferne denken." (Rudolf Wacker, Tagebuchnotiz, 8.4.1932, in: Rudolf Sagmeister 1990, S. 604f)
(Barbara Berger)