Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

25. Juni 2020, 17:00 Uhr

1509

Peter Sengl*

(Unterbergla 1945)

„Gewahrsam der Abläufe“
2017
Öl auf Leinwand; gerahmt
150 x 120 cm
Bezeichnet, datiert und signiert rechts mittig am Rand: Gewahrsam der Abläufe Vergrünen, 2017, P.S. Wien N.7.32 P. Sengl 17, P. Sengl 2017

Limit € 8.000

Aus dem Kopf über die Hand auf die Leinwand

So einfach und zugleich auf all das bezogen, was Malerei ausmacht, lässt sich der komplexe Werdegang eines Bildes beschreiben. Letzteres wird umso besser, je freier man im Kopf ist und beim Malen wie auch sonst im Leben die richtige Balance findet.

1971, und somit knapp vor Erreichen eines halben Jahrhunderts im Februar 2021, hatte Peter Sengl im Grazer Forum Stadtpark und gleich darauf in der Galerie des Künstlerhauses in Wien seine ersten erfolgreichen Ausstellungen. Sein Entdecker und Promotor Otto Breicha schrieb ihm für die Rückseite seines auf gelbem Packpapier lithographierten Plakats ein zünftiges Vorwort. Dabei hielt er fest, dass die Bilder des heuer 75-jährigen Steirers, der sein Studium 1968 an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Sergius Pauser abschloss, "so gut wie keine Handlung haben und all das, was auf ihnen geschieht, situationsintern passiert". Und mittendrin im tatbestandsobjektivierten wie humorigen Text fügt er trefflich hinzu: "Sengl, wenn ich ihn recht verstehe, möchte nichts weniger als überzeugen. Seine Bilder sind auf die Art und Weise viereckig, wie die Malerei zum An-die-Wand-Hängen in den letzten Paar hundert Jahren viereckig gewesen ist." - wie man sieht, ließen sich damals, in den aufregenden 1970er Jahren weltüberspannender pluralistischer Aufbrüche zu neuen künstlerischen Ufern, nonkonformistische Einzelgänger des aufkeimenden Austro-Pop darauf ein, "rückwärtsgewandt der Zukunft entgegen zu gehen", wie sich Monsignore Otto Mauer, der stets zur Polemik bereite Mentor und Gründer der Galerie nächst St. Stephan in Wien, bereits damals gerne ironisch anmerkte.

Sengls hier vorgestelltes, bravourös austariertes, farbig stimmiges und sofort für sich einnehmendes Tierbild mit dem nahezu kryptischen Titel "Gewahrsam der Abläufe", ist wieder einmal ein Volltreffer seiner unbändigen Lust an der Malerei. Bewegungsaffin, immer genau gesetzt und in den kräftigen Farben dennoch sensibel aufeinander abgestimmt, ist das auf dunkelgrünem Grund spannungsvoll inszenierte Concerto Grosso der Tiere ein Musterbeispiel vitalen Komponierens. Wer der Herr im Haus ist, lässt sich an dem mittig auf einer Stange sitzenden Leoparden dennoch unschwer erkennen. Um ihn herum ist viel los: allerlei Getier, bunte Vögel, Schlangen in austarierter Über - wie Unterordnung: - ein Sengelsches Schönbrunn, alle gut dressiert im inzwischen zur Vorschrift gewordenen Einmeterabstand vereint. Die andeutungsweise, spürbare Diagonale aus schwarzem Gestänge in der Mitte des Bildes teilt das Hochformat nur andeutungsweise. Sie sorgt für die nötige Balance und ist ebenso Sengls grundlegender expressiven Virtuosität in ähnlich zügig gemalten Tierdarstellungen zu danken, die – wie hier – zu dem sonoren Untergrund in großflächig aufgetragenem dunklen Grün und dem harmonisch geöffneten blauen Fenster im oberen linken Bildeck wunderbar kontrastieren.
(Peter Baum)