Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

23. Juni 2020, 15:00 Uhr

0096

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

und

Hendrik van Balen

(1575, Antwerpen - 1632, Antwerpen)

„"Allegorie der Liebe" (oder "Allegorie des Überflusses")“
um 1625-30
Öl auf Holz
36 x 47,7 cm

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Kurz-Gutachten von Dr. Klaus Ertz, Lingen, den 4. Mai 2020, liegt bei.

€ 40.000

Das Gemälde ist ein charakteristisches Zeugnis der flämischen Feinmalerei zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Die Stadt Antwerpen, das katholisch und habsburgisch regierte Machtzentrum der sogenannten südlichen Niederlande, war zugleich eine der innovativsten und produktivsten Kunstmetropolen dieser Zeit. Der internationale, bis heute andauernde künstlerische Erfolg war zum einen durch die Zahl der malerischen Ausnahmetalente begründet, zum anderen jedoch auch besonders durch deren Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Meisterschaft, Spezialistentum und zugleich gemeinschaftliche Kooperation führten in Komposition und Ausführung zu qualitativen Höchstleistungen.
So ist auch vorliegendes Gemälde in Gemeinschaftsarbeit zweier führender Antwerpener Künstler entstanden – jeweils bestrebt das Beste seines Faches hervorzubringen. Der Figurenmaler Hendrik van Balen, war nicht nur 1609/10 der Dekan der Antwerpener Malergilde, sondern leitete über Jahrzehnte hinweg ein blühendes Atelier, in welchem unter anderem Anthonis van Dyck als Schüler ausgebildet wurde. Ebenso übernahm Jan Brueghel der Jüngere nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1625 dessen florierende Werkstatt samt Mitarbeiter und führte diese auch in Bezug auf künstlerische Zusammenarbeit mit den größten Meistern, wie u.a. Peter Paul Rubens oder Hendrik van Balen, erfolgreich weiter. Jan Brueghel der Jüngere schuf in vorliegendem Gemälde die Landschaft und Stilllebendetails, wie Blumen und Früchte. Dr. Klaus Ertz datiert das Werk aufgrund der eher an Rubens orientierten fülligeren Figurengestaltung Hendrik van Balens Ende der 1620er Jahre.
Die Zusammenkunft allegorischer Figuren kann wohl sowohl als „Allegorie der Liebe“ als auch „Allegorie des Überflusses“ interpretiert werden. Das Gemälde zeigt Ceres mit ihrem an Früchten überbordentem Füllhorn und ehrengeschmücktem Strohhut. Dahinter das Götterpaar Apollo und Diana: der musizierende Apollo, Gott der Sonne und des Lichtes, und seine Schwester Diana, die neben der Göttin der Jagd und des Mondes auch als Beschützerin der Frauen gilt. Das Zentrum des Gemäldes bilden freudig tanzende durch üppige Blumenkränze verbundene Putten, welche die Liebe und Freude symbolisieren. Ebenso wie die am rechten Bildrand liegende Venus, nur von einem dünnen Tuch bedeckt. Dass sowohl „Liebe“, als auch „Überfluss“ als körperliches Wohl, wichtig für das vollkommene Glück sind, unterstreicht das antike, aber im Renaissance-Humanismus besonders beliebte Zitat: „Sine Ceres et Baccho friget Venus“ – also ungefähr „Ohne Kost und Wein, kann Liebe nicht gedeihn“.