Auktionshaus

Auktion: Antiquitäten

23. Oktober 2019, 14:00 Uhr

0682

Sennhein'sche Madonna

um 1490/1500
Lindenholz, geschnitzt; rückseitig gehöhlt; Darstellung einer Mondsichelmadonna, stehend auf einem männlichen Kopf, der sich nach unten schauend in die Mondsichel schmiegt, auf ihrem linken Arm trägt sie das Jesuskind, welches ein aufgeschlagenes Buch in den Händen hält; rechter Arm der Madonna fehlt
H. 117 cm

Provenienz

Privatsammlung René Sennhein, Wien;
Niederösterreichisches Landesmuseum;
Privatbesitz, Wien

€ 16.000

Diese Mondsichelmadonna ist eine Vertreterin einer spätgotischen "Schönen Madonna" des ausgehenden 15. Jahrhunderts.

Aufgrund ihrer Provenienz wird sie auch als sog. Sennhein'sche Madonna bezeichnet, da sie sich in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in der Kunstsammlung von René Richard Sennhein (ursprünglich Schornstein) befand. Der im August 1899 in Baden bei Wien als zweites von vier Kindern geborene Sennhein war durch seine Geburt Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 galt das Ehepaar Marianne und René Sennhein als jüdisch im Sinne der "Nürnberger Gesetze" und war dadurch der Verfolgung der nationalsozialistischen Machthaber ausgesetzt. Durch die NS-Verfolgungsmaßnahmen musste René Sennhein die Beteiligung an seiner Firma aufgeben sowie sein Vermögen anmelden, wodurch es auch zu einer Schätzung seiner Kunstsammlung kam. Darin wurde u. a. diese Madonna aufgelistet. René Sennhein und seine Frau flüchteten im Juli 1938 nach England. Die gotische Madonna blieb indes aufgrund des Verbotes der Ausfuhr und Veräußerung von Gegenständen künstlerischer, geschichtlicher und kultureller Bedeutung in Wien und wurde beschlagnahmt. Im Dezember 1943 wurde die Skulptur an das Gaumuseum Niederdonau (heute Niederösterreichisches Landesmuseum) verkauft, in dessen Besitz es sich bis zum Jahr 2001 befand.
Nach dem Ende des Krieges pendelte das Ehepaar Sennhein ab 1955 regelmäßig zwischen England und Wien. Im Mai 1965 verstarb René Sennhein, seine Frau im Jahr 1984.
Im Jahr 2002 erließ die Niederösterreichische Landesregierung einen Restitutionsbeschluss, um die Kunstgegenstände, die von März 1938 bis Mai 1945 ihren BesitzerInnen aus Verfolgungsgründen entzogen wurden, zurückzugeben. Im Zuge dessen kam die gotische Madonna wieder in den Besitz der Erben von René und Marianne Sennhein. Diese haben sich nun dazu entschlossen, die Skulptur über unser Auktionshaus zu versteigern.