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Auktion: Klassische Moderne

17. Juni 2019, 16:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0301

Alfred Kubin*

(1877, Leitmeritz - 1959, Zwickledt)

„Tatar“
um 1907
Tempera auf Papier
35,5 x 39 cm
Signiert rechts unten: Kubin
Rückseitig bezeichnet: Tatar VII 1

Provenienz

ehemals Sammlung Wolfgang Graninger, Salzburg;
seit den 1980er Jahren in österreichischem Privatbesitz

€ 19.000

„Es war immer ein spirituelles Erlebnis, denn Kubin vermittelte nicht den Eindruck eines Vollblutmalers. Er war ein Wissender – kein Schwätzer, ein Weiser – kein Phantast, ein Überlebenskünstler – kein Fortschrittsgläubiger, ein Pessimist – keine Frohnatur, ein geistreicher Erzähler – kein Misanthrop.“ (Zitat Professor Wolfgang Graninger, aus: Begegnungen mit AK und Erinnerungen, in: Ferdinand Altnöder (Hg.) Alfred Kubin 1877–1959. Zur Wiederkehr des 120. Geburtstages, Galerie Altnöder, Salzburg 1997, o.S.)

Wolfgang Graninger: Sammeln und Schenken

Wolfgang Graninger ist heute einer der Wenigen, die Alfred Kubin noch persönlich kannten. Schon mit 14 Jahren erwirbt er sich von ihm mit seinem Taschengeld eine Zeichnung. Der Kaufpreis ist mit 600 Schilling 1946 „viel Geld“, wie Graninger rückblickend meint. Er hat den Künstler bis kurz vor dessen Tod 1959 mehrmals besucht.

Graninger, 1934 in Graz geboren und in Schärding aufgewachsen, wird am Salzburger Mozarteum zum Klavierlehrer ausgebildet, unterrichtet in Leoben, Linz und Passau bis er schließlich nach 24 Jahren als Krankenpfleger 1985 in Salzburg in Pension geht. Seine Leidenschaft gilt der Kunst. Vieles wird in kleinen Raten erworben oder ertauscht. Um Geld für Kunst zu sparen wird die Wohnung im Winter kaum geheizt und die elegante Kleidung second hand erworben. Noch heute ist Graninger gerne auf Flohmärkten und in Läden auf Entdeckungsreisen unterwegs.

Zur ersten Kubinzeichnung kommen über 100 weitere, da und dort erworben. In einer Miniwohnung in Salzburg schmücken sie die Wände als „Kubinkabinett“, eng und lichtdicht gehängt. Künstler Ernst Len, heute als Eva zusammen mit Adele als Berliner Kunst-Paar „Eva & Adele“ weltbekannt, haust einige Monate in diesem Zimmer und gestaltet hier seine Werkgruppe „Prozess mit WG in Salzburg“. Graninger sammelt u.a. Margret Bilger, Hans Breustedt, Wilhelm Schnabl, Gottfried Salzmann, Josef Kern, Fatima, Johannes Steidl, in den letzten Jahren vor allem Bernhard Vogel, für den er Ausstellungen im In- und Ausland eröffnet und den er bei seinen Malerseminaren begleitet. Walter Pichler antwortet dem hartnäckigen Briefeschreiber mit seiner Zeichnung der „Briefefresser“. Als Graninger seine Kubinzeichnungen an den Sammler Peter Kölbel verkauft, wird er von ihm mit einer Anstellung belohnt: Graninger darf drei Jahre seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und für die Sammlung Kölbel Kunst einkaufen. Die Erwerbungen werden in Kölbels Galerie Midas in Wien ausgestellt.

Graninger hat fast alle seine Kunstwerke an öffentliche Sammlungen verschenkt, nur selten verkauft. Hunderte Arbeiten, versehen mit seinem Sammlerstempel oder -vermerk vermehren Museumsbestände von Bregenz bis Wien, auch von über zehn deutschen Museen. Die Albertina in Wien wird mit knapp 200 Zeichnungen und Druckgraphiken von Salzmann bedacht. Weitere Schenkungen erhalten u.a. das Rupertinum, heute Museum der Moderne Salzburg, das Salzburg Museum, das Wien Museum, die Landesgalerie Linz, das Nordico Stadtmuseum Linz, das Dom Museum Wien, das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck und das Universalmuseum Joanneum in Graz.

Der Sammler steht gerne Modell. Das Rupertinum widmet den „Graninger-Bildnissen“ von Josef Kern und denen von Rupert Gredler je eine eigene Ausstellung. Für seine Großzügigkeit wird Wolfgang Graninger ausgezeichnet, auch mit dem Titel „Professor h.c.“ geehrt
Ferdinand Altnöder