Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Juni 2019, 16:00 Uhr

0425

Gustav Klimt

(Wien 1862 - 1918 Wien)

„Frauenkopf im Profil nach rechts“
1897/98
braune Kreide, gewischt, schwarze Kreide, weiß gehöht, auf Papier
44,5 x 31,5 cm

Provenienz

Dr. Anton Loew, Wien (direkt vom Künstler erworben);
Gertrud Baruch von Felsöványi, geb. Loew, Wien;
Gustav Ucicky, Wien (erworben um 1941);
Ursula Ucicky, Wien (1961 geerbt von Gustav Ucicky);
Klimt-Foundation, Wien (2013 von Ursula Ucicky gestiftet);
Erbengemeinschaft nach Gertrud Loew-Felsöványi (aufgrund eines Restitutionsvertrages mit der Klimt-Foundation)

Ausstellung

1962 Wien, Albertina, Gustav Klimt 1862-1918, Zeichnungen, Gedächtnisausstellung, Nr. 58;
2012 Kammer am Attersee, Gustav-Klimt-Zentrum, Eröffnungsausstellung;
2018/2019 Wien, Literaturmuseum, Berg. Wittgenstein. Zuckerkandl. Zentralfiguren der Wiener Moderne, 22.03.2018-17.02.2019

Literatur

Berta Zuckerkandl, Wohnung für ein junges Paar, in: Dekorative Kunst, Illustrierte Zeitschrift für angewandte Kunst, Bd. 12, 1903/04, S. 329-345, Abb. S. 348;
Emil Pirchan, Gustav Klimt. Ein Künstler aus Wien, Wien / Leipzig 1942, Abb. 53 (Die schöne Wienerin III);
Emil Pirchan, Gustav Klimt, Wien 1956, Abb. 120;
Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878-1904, Bd. I, Verlag Galerie Welz, Salzburg 1980, WV-Nr. 395, s/w-Abb. S. 127 (dort Maße des ehemaligen Passep.-Ausschnitts: 40 × 29 cm);
vgl. Gerd Pichler, Kolo Mosers "Wohnung für ein junges Paar" - Gerta und Dr. Hans Eisler von Terramare, in: Ausstellungskatalog, Koloman Moser. 1868-1918, 25. Mai 2007 bis 10. September 2007, München, Berlin, London, New York 2007, S. 174-201, Abb. S. 193;
Olga Kronsteiner, Trockenübung am Attersee, in: Der Standard, 8. November 2013 (m. Abb.);
Olga Kronsteiner, Die andere Definition von schön, in: Der Standard, 26. Juni 2015 (m. Abb.)

Wir danken Frau Dr. Marian Bisanz-Prakken für die freundliche Unterstützung.

Schätzpreis: € 130.000 - 200.000
Ergebnis: € 270.000
Auktion ist beendet.

Die beiden bei uns unter Kat.-Nr. 425 und 426 angebotenen Zeichnungen von Gustav Klimt befanden sich einst in der Sammlung des Sanatoriumbesitzers Anton Loew (1847-1907), für den Klimt 1902 auch das wunderbare Porträt seiner Tochter Gertrude malte. Gerta (1883-1964) heiratete 1903 den Unternehmer Johann Arthur Eisler von Terramare (1878-1938). Als Teil der Aussteuer erhielt Gerta - neben dem von ihrem Vater bei Klimt in Auftrag gegebenen gemalten Porträt - sechs frühe Zeichnungen von Klimt mit Darstellungen schöner Damen, darunter „Frauenkopf im Profil nach rechts” (Kat.-Nr. 425) und „Damenbrustbild von vorne” (Kat.-Nr. 426).
Für die Inneneinrichtung der Wohnung des jungen Paares Gerta Loew und Hans Eisler von Terramare zeichnete Koloman Moser verantwortlich. Ein 1903/04 in der Zeitschrift „Dekorative Kunst“ erschienenes Foto zeigt einen Einblick in das von Kolo Moser gestaltete Interieur: an der Wand hängen zwei Klimt-Zeichnungen in eigens von Moser entworfenen Rahmen, wobei das Kunstwerk links als „Frauenkopf im Profil nach rechts“ (Kat.-Nr. 425) zu identifizieren ist.
Die erste Ehe Gerta Loews dauerte nicht lange und wurde, nachdem ihre kleine Tochter 1905 im Alter von 15 Monaten verstorben war, 1909 geschieden. Die Werke von Gustav Klimt blieben in Gertas Eigentum. 1912 heiratete Gerta den Industriellen Elemér (Baruch von) Felsöványi (1882-1923). Nach dem Anschluss Österreichs an das Nazi-Deutschland war die Familie Felsöványi wegen ihrer jüdischen Herkunft zur Emigration gezwungen. Gerta flüchtete 1939 nach Belgien und emigrierte später in die USA. Das in Wien verbliebene Vermögen sollte auf Gertas Wunsch hin von einer Bekannten verwaltet werden, die sich jedoch die Kunstsammlung Felsöványi angeeignet und verkauft hat.
So kamen die Klimt-Zeichnungen etwa 1941 in den Besitz von Gustav Ucicky (1899-1961), dem ersten unehelichen Sohn von Gustav Klimt und Maria Ucicka. Gustav Ucicky, der unter anderem während der NS-Zeit Karriere als einer der führenden Propaganda-Regisseure machte, heiratete 1957 Ursula Kohn. Ursula Ucicky erbte 1961 von ihrem Mann Gustav dessen große Kunstsammlung, zu der auch unsere beiden Klimt-Blätter gehörten. Sie brachte die Kunstwerke 2013 in die von ihr gegründete Klimt-Foundation mit der Auflage ein, deren Provenienz zu erforschen und eine Einigung mit den Erben Gerta Felsöványis zu suchen.
Die Stiftung einigte sich mit den Erben nach Gertrud Loew-Felsöványi auf die Einsetzung eines unabhängigen Schiedsgerichtes, das eine Restitution der Kunstwerke empfahl. Aufgrund dieser Empfehlung stellte die Stiftung unter anderem jene zwei Kunstwerke, die wir jetzt versteigern können, an die Erben zurück.
(Claudia Mörth-Gasser und Ernst Ploil)