Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

18. Juni 2019, 15:00 Uhr

1004

Franz West*

(Wien 1947 - 2012 Wien)

„Passstück (Microphone and lectern)“
2006
Gips, Metall, Dispersion
H. 44 cm Podest: H. 25, B. 64 cm, T. 58 cm

Provenienz

2010 Galerie Arndt, Berlin;
seither Privatsammlung, Wien

€ 35.000 - 60.000

Franz West ist einer der auch international erfolgreichsten Künstler Österreichs. Mit den Anfang der 1970er Jahre entwickelten Passstücken hat er die zeitgenössische Skulptur revolutioniert. Diese einfachen Gebilde aus Pappmaché und Gips, in denen der Entstehungsprozess noch deutlich sichtbar ist, stellen alles auf den Kopf was Skulptur bis dahin war. Die Passstücke erfahren erst durch die Partizipation und die dezidiert vom Künstler erwünschte Benutzung durch den Betrachter ihre Bedeutung. Franz Wests Kunst soll verwendet und nicht in einer Museumsvitrine entrückt in Distanz zum Beschauer gesetzt werden. Die daraus resultierende Abnutzung der Plastiken führt in den 1980er Jahren zu einer Weiterentwicklung. Der Künstler realisiert eine neue Art von Skulptur auf Sockel, wobei dieser zum wesentlichen Bestandteil des Objektes wird und nicht als Part einer konventionellen Präsentationsweise im musealen Kontext verstanden werden darf, den West per se ja ablehnt.

2006 entstanden ist „Microphone and Lectern“(„Mikrofon und Lesepult“). Der Sockel bildet das Lesepult, auf dem die fragile Konstruktion des aus Gips und Draht geformten Mikrofons gleichsam präsentiert wird. Kommunikation spielt im Schaffen Franz Wests eine tragende Rolle, sie wird als Mittel zur Verständigung hinterfragt, sie wird zum Wortwitz oder als Art Bedienungsanleitung eingesetzt. Somit ist das Rednerpult, an dem jemand steht, der sich mitteilen möchte, und das Mikrofon, das dieser Mitteilung durch entsprechende Lautstärke noch Nachdruck und Bedeutsamkeit verleiht, auch im metaphorischen Sinne zu verstehen. Dabei spielt er auch mit einer „eklatanten Diskrepanz zwischen Erscheinungsform und Bedeutungsgehalt“ (Veit Loers, Franz West, Köln 2006, S. 68), denn erst durch den Titel der Skulptur werden unsere Assoziationen in eine bestimmte Richtung gelenkt, die sich rein durch die formale Struktur nicht erschließen würde. Hinzu kommt noch ein experimenteller Charakter, der durch die sichtbaren Spuren des Arbeitsprozesses und das Weglassen jeglicher Farbigkeit noch verstärkt wird. Im Sinne Wittgensteins lässt West seine Werke sprechen: „Jedes Zeichen schein alleine tot. Was gibt ihm Leben? – Im Gebrauch lebt es.“ (Ludwig Wittgenstein zit. in: Loers, S. 69) (Sophie Cieslar)