Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

18. Juni 2019, 15:00 Uhr

0882

Rudolf Polanszky*

(Wien 1951)

„Arbeit Nr. 8, Rorschach-Transformationen“
2010
Acrylglas, Aluminium, Spiegelfolie, Silikon, Harz auf Leinwand; gerahmt
124 x 140 cm
Rückseitig signiert und datiert: Polanszky 2010

Provenienz

Privatbesitz, Wien

€ 60.000

Polanszky, ganz Künstler und Philosoph, begann sein Schaffen in den 70er-Jahren mit seinen „Schweinsfettbildern“. 20 Jahre später geht er dazu über, verschiedene Materialien, wie Metall, Spiegelfolie, Kunstharz, Draht, Plexiglas und Schaumstoff, zu kombinieren. Die Kunst dient seinem Bestreben, Begriffe wie Raum, Zeit, Licht und Farbe, Rhythmus und Imagination nach ihren elementaren Strukturen zu ergründen. (vgl. Francesco Stocchi in: Rudolf Polanszky. Translineare Strukturen, Niederösterreich, 2015, S. 49 f.)

In seinen Rorschach-Transformationen widmet er sich einer Selbstbefragung, denn die Realität ist ein rein subjektives Erlebnis, seine Werke nur Augenblicksaufnahmen, die durch das Voranschreiten der Zeit ihre Geschichte erzählen. Vor allem, wenn der Künstler während der Kunstproduktion die Kontrolle abgibt und sich Faktoren wie Rhythmus, Instabilität, Imagination und Zahlen aussetzt.

Welche Bedeutung Zahlen, Symmetrie und Rhythmus in seinen Arbeiten einnehmen, ist auch im vorliegenden Werk deutlich zu erkennen. Verschiedene Materialien wurden geschichtet und ergeben auf den ersten Blick ein grau-dominiertes, scheinbar zufälliges Gebilde. Doch je länger man es betrachtet, desto mehr Symmetrien, Zusammenhänge und Formen lassen sich ausmachen. So scheint es, als würde die hellgraue Fläche einen Rahmen bilden, während das dunkle Rechteck entweder zum eingerahmten Objekt wird oder aber zum dunklen Schlund, welcher sich hinter den weißen Formen öffnet und Raum entstehen lässt, der von der Imagination des Betrachters gefüllt werden kann.
Eine längliche Form mit zwei Ausbuchtungen liegt über diesem Raum, fügt dem Bild eine neue Ebene hinzu und führt den Blick von links oben nach rechts unten. Als hätte sich ein Teil der weißen Fläche gelöst, hängt diese herab, schwenkt nach links außen. Eine weitere Richtung geben die vier parallel nach unten verlaufenden blauen Linien vor. So spannt das Werk einen weiten Raum auf, über dem es gleichzeitig ein enges Netz an Formen legt. So ist es zur selben Zeit tief und flach, symmetrisch und unruhig. Es fordert heraus und lädt zu einer beinahe meditativen Betrachtung ein. (Valerie Gaber)