Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

30. November 2018, 17:00 Uhr

0436

Waldemar Fink*

(Bern 1883 - 1948 Bern)

„Hirtin mit Ziegen auf der Alp bei aufgehender Sonne“
1908
Öl auf Leinwand
79,5 x 70 cm
Signiert und datiert links unten: Waldemar Fink / Bern / 1908

Provenienz

Dobiaschofsky Auktionen Bern, 07. 05. 2010, Nr. 130;
europäische Privatsammlung

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000
Ergebnis: € 55.000
Auktion ist beendet.

Waldemar („Waldo“) Theophil Fink absolvierte zuerst eine Lehre als Dekorationsmaler und Anstreicher wie sein Vater, flüchtete dann aber nach München, um dort an der Weinhold-Schildknecht Kunstschule Malerei zu lernen. Zunächst erfolglos führte er ein bitterarmes Bohème-Leben, von 1909 – 1922 lebte er, zurück in der Schweiz, in Waliser Dörfern, dann in Adelboden und Bern, von wo aus er die Schweizer Alpengebiete aufsuchte, um in aller Einsamkeit malerische Bilder der Gebirgslandschaft anzufertigen. Finanziell hielt er sich als Dekorationsmaler und Rahmenschnitzer über Wasser, beschickte aber regelmäßig Ausstellungen, zunächst erfolglos. Als sich Hans Thoma und einige deutsche Zeitschriften für ihn zu interessieren beginnen, gelingt der Durchbruch: seine Bilder werden in München, dem damaligen Zentrum für deutsche Landschaftsmalerei, ausgestellt.
Mit seinen romantisch-stimmungsvollen Bergansichten traf er den zeitgenössischen Geschmack und wurde Mitglied der Schweizerischen Freien Künstlervereinigung "Sezession". Vor allem die Hochgebirgslandschaften Adelbodens wie das Wildstrubelgebiet, Adelbodenmoos, Hahnenpass, Engstlen und der Große Lohner zählen zu seinen Motiven, wobei Fink sich besonders auf Winterlandschaften spezialisierte, zu deren Anfertigung er bereits am frühesten Morgen mit Skiern in die Berge zog, um die richtigen Lichtverhältnisse einzufangen. Fink arbeitete rasch und unmittelbar vor Ort, was einen sehr sicheren Pinselstrich voraussetzte. Als Dekorationsmaler war ihm die Wirkung klarer, plakativer Farben bewusst, weshalb er helle, kontrastreiche Töne einsetzte. Stilistisch geprägt war Fink ursprünglich von Giovanni Segantini, bald entwickelte er aber eine autonome Bildsprache, die sich an kein bestimmtes Vorbild oder eine Kunstrichtung anlehnte. Neben der hellen Palette sind seine scharfe Zeichnung und die vereinfachende Darstellungsweise charakteristisch.
(Ina Waldstein)