Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

23. Oktober 2018, 17:00 Uhr

0257

Johan Christian Clausen Dahl Umkreis

(Bergen 1788 - 1857 Dresden)

„Landschaft bei Tivoli mit Wasserfall“
Öl auf Holz (Mahagoni-Platte, 2 cm stark)
100 x 138 cm

Provenienz

Privatbesitz, Wien

€ 35.000 - 70.000

Vorliegendes Werk stammt wohl aus dem engeren Umkreis des bekannten Landschaftsmalers Christian Clausen Dahl. Geboren wurde Dahl in Norwegen, seine künstlerische Ausbildung erhielt er – wie auch Caspar David Friedrich – an der damals angesehenen Kopenhagener Akademie, wo er ab 1811 studierte. Im Jahr 1818 ging er nach Dresden, da dort die Landschaftsmalerei unter Caspar David Friedrich den ersten Rang zu erobern begann. Hier zählte Dahl bald zu dessen engsten Freunden und er gilt neben Friedrich als einer der bedeutendsten Vertreter der Dresdener Romantik. 1820 wurde Dahl Mitglied und 1924 Professor der Dresdener Kunstakademie, wo er mit seiner Vorliebe für großartige Naturszenen und seiner realistischen Malerei fördernd auf einen großen Schülerkreis einwirkte.

Auf Einladung des dänischen Kronprinzen Christian Frederik reiste Dahl im Sommer 1820 für zehn Monate nach Italien, wo er sich in Rom dem Kreis um den Bildhauer Bertel Thorvaldsen anschloss. 1821 kehrte er wieder nach Dresden zurück. Aus seiner italienischen Zeit sind einige Werke bekannt, wie etwa der „Ausbruch des Vesuvs“, dieses Thema hatte er mehrmals behandelt. Ein weniger heroisches Sujet zeigt unser Bild. In der Nähe von Rom befinden sich die Wasserfälle von Tivoli. Jeder Italienreisende sollte dieses Naturschauspiel gesehen haben und schon im 18. Jahrhundert verewigten zahlreiche Künstler dieses „Wunder der Natur“. Unser großformatiges Werk zeigt nicht die spektakulär herabfallenden Wassermassen, sondern wohl den oberen Bereich der berühmten Wasserfälle, wo der Fluss Aniene zwischen den Felsen dahinfließt und im Vordergrund eher flache Kaskaden bildet. Im breiten Querformat zeigt der Künstler eine menschenleere, hügelige Landschaft. Eine kleine Ziegenherde ist am Ufer des Flusses zu erkennen und hoch über dem Wasser am rechten Ufer, steht ein einsamer römischer Tempel. Die meisterhaft gemalte weiße Gischt, des über die Felsen fließenden Wassers kann gut mit Werken Dahls verglichen werden. Darüber hinaus führt unser Künstler dem Betrachter sein außergewöhnliches Können vor Augen, welches sich in genauer Naturbeobachtung in Verbindung mit einer realistischen Wiedergabe und einem klassischen Bildaufbau, der sich in den Details im Vordergrund und den verblassenden Bergen im Hintergrund sowie dem fein abgestimmten, bläulichen Gesamtton des Bildes äußert. (MS)