Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

23. Oktober 2018, 15:00 Uhr

0106

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Blumenstrauß in chinesischer Vase“
um 1625/27
Öl auf Kupfer auf Holz
47,6 x 37,1 cm

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, den 24. Februar 2017, liegt bei.

€ 50.000 - 100.000

Vor einem diffus changierenden Hintergrund steht auf einer rötlich-braunen Tischplatte eine bauchige chinesische Porzellanvase mit schlankem Hals, welche mit grün-blauen Ornamenten verziert ist. Aus dieser Vase erhebt sich ein farbenprächtiger, strahlend bunter Blumenstrauß. Er besteht aus zehn größeren Blüten – vornehmlich Rosen, Tulpen und Iris. Zwischen diesen großen Blüten steckt inmitten des Straußes und zu allen Seiten hinausragend eine Vielzahl von kleineren bunten Blüten. Die vielen, gekonnt angeordneten Stängelchen, Blätter und Zweige verleihen diesem Strauß seine Tiefe und Dreidimensionalität. Der auf der Tischplatte liegende Zweig, verstreute einzelne Blüten, ein Maikäfer sowie die exotisch anmutenden Muscheln unterstreichen ebenfalls die Räumlichkeit.
Der Strauß selbst wird bei genauerem Hinsehen von mehreren Insekten, Libellen und einer Heuschrecke bevölkert – Letztere findet ihre Wiederholung als gemaltes Element im Ornament der Porzellanvase. Der Künstler verweist damit auf das für Stillleben so charakteristische Spiel zwischen „echtem“ Leben und „gemaltem“ Leben – Vergänglichkeit und Ewigkeit.

Jan Brueghel der Jüngere, der Zeit seines Lebens im Schatten seines Vaters stand, zeigt gerade in diesem Blumenbild, dass er wie kaum ein anderer Maler an das väterliche Qualitätsniveau herankommt. Dieser phantastisch gemalte Blumenstrauß ‚atmet‘ in seiner gesamten Komposition die Kunst des Vaters, Jan Brueghels dem Älteren. Nach dessen Tod übernimmt Jan der Jüngere sein Atelier und arbeitet bis ca. 1635 in dessen unverwechselbarem Stil weiter. Wie Dr. Klaus Ertz feststellt „zeichnet er sich hier als der beste Wahrer des väterlichen Erbes aus. Diese Blumenkomposition ist an Feinheit und Detailreichtum nur noch vom Vater selbst zu übertreffen. … Heute wissen wir, dass Jan der Jüngere das Werk des Vaters auf dem höchsten Niveau fortgeführt hat. Der berühmteste Malerkollege, Peter Paul Rubens, hätte nicht die Bilder von Jan dem Jüngeren ausstaffiert, wenn dessen Niveau nicht in etwa seinem eigenen entsprochen hätte. Die Freundschaft des Vaters und die Patenschaft hätten da nicht allein ausgereicht.“ (vgl. Gutachten Dr. Klaus Ertz)

Aus der Zeit bevor Jan Brueghel der Jüngere seine Italienreise im Jahre 1622 unternahm, sind einige Blumenstillleben bekannt, die gar aus der Zusammenarbeit von Jan Brueghel dem Älteren und seinem Sohn entstanden sind. Sie zeigen die herausragende malerische Qualität Jan Brueghels des Jüngeren; beispielsweise eine entstandene „Bemalte Blumenvase“ im Mauritshuis, Den Haag (vgl. Klaus Ertz/ Christa Nitze-Ertz, Jan Brueghel der Ältere, Lingen 2008-2010, Band III, Kat. 442). Die schon frühe Begabung zeigt sich auch in eigenständigen, bereits um 1620 entstandenen Blumensträußen, wie den Werken „Blumen in Glasvase“ oder „Blumenglas mit Frosch“ (Klaus Ertz, Jan Breughel der Jüngere, Freren 1984, Kat. 277 & Kat. 276)